
Wer noch nie einen Berührungspunkt mit der Ergotherapie hatte, dem geht es vielleicht ähnlich wie mir und er glänzt hier lediglich mit Nicht- oder Wenigwissen. Oder er hatte schon mal Berührung damit aber nur in einem bestimmten Bereich und ist genauso überrascht wie ich, wo man denn überall einen Ergotherapeuten benötigt und findet 🙂
Ich kannte sie nur als Anlaufstelle bei Lese-und Rechtschreibschwäche von Kindern, eine Freundin von mir dagegen nur aus kognitiven Therapien in psychiatrischen Einrichtungen. Tatsächlich aber findet man sie auch noch in Altenheimen, Krankenhäusern, Reha-Kliniken, in Werkstätten für Menschen mit Behinderung, Schulen, ambulant on tour und vielen weiteren Einrichtungen. Da wird schon deutlich, dass ihr Patientenfeld von den Kleinsten bis hin zu den Ältesten alles beinhaltet.
Sie therapieren motorische und auch kognitive Schwächen und Beeinträchtigungen. Sie setzen an bei schlichter Ungeübtheit genauso wie bei schweren und degenerativen Erkrankungen. Für mich entpuppte sich die Ergotherapie als überraschend vielfältig und dadurch auch als ziemlich anspruchsvoll…
Darf ich vorstellen.
Susann ist Mitte 40 und lebt mit ihrer Familie im oberfränkischen Bamberg. Nach dem Abitur studierte sie kurze Zeit Berufsschullehramt aber wusste dennoch noch nicht so recht, wohin ihre berufliche Reise gehen soll. Durch Zufall ist sie dann auf die Ergotherapie gestoßen. Seinerzeit konnte man diesen Beruf nur an ein paar wenigen Privatschulen erlernen. Da ihr Interesse an den vielseitigen und kreativen Möglichkeiten in diesem Beruf geweckt war, entschied sie sich tatsächlich diesen Weg zu gehen. Es dauerte im Anschluss auch nicht lange, bis sie ihre eigene Praxis leitete…
Vor bereits ungefähr 20 Jahren übernahm sie im mittelfränkischen Höchstadt an der Aisch die Praxis, bei der sie bis dato selbst angestellt war. Mittlerweile beschäftigt sie dort elf weitere Mitarbeiterinnen, auf die sie allesamt sehr stolz ist. „Wir sind zwölf unterschiedliche Charaktere, die sich gegenseitig hervorragend ergänzen und unterstützen. Wir funktionieren wahnsinnig gut im Team und es gibt keinerlei Reibereien wie es manchmal in anderen Frauenteams der Fall ist“, freut sie sich und lacht. Jede hat ihre persönlichen Schwerpunkte, Aufgaben und besondere Qualifikationen, sodass sie dem vielfältigen und breitgefächerten Anspruch in diesem Bereich mehr als gerecht werden können.
Susann selbst ruht sich eigentlich auch nie auf ihrem Wissen aus sondern strebt immer nach noch mehr Mehrwert für ihre Patienten. So studierte sie beispielsweise mit Ende 20 neben ihrer Arbeit als Praxisleitung mal eben Psychologie, ist u. a. auch Pilates-Trainerin und bildet sich aktuell in Yogatherapie weiter. Im Herbst dieses Jahres plant sie in Bamberg eine weitere Praxis mit dem Schwerpunkt psychotherapeutische Beratung und Coaching zu eröffnen.
Komplimente, die sie bekommt.
Ein Kompliment für sie ist es eigentlich immer dann, wenn erkennbar ist, dass eine Therapie Wirkung zeigt und für den Patienten eine Besserung eintritt. Wenn Erwachsene nach einer Behandlung sagen: „Danke, das hat mir heute gut getan!“ oder Kinder äußern, dass es heute schön und lustig mit ihr war.
Ein Kompliment ist irgendwo auch, wenn die Patienten ihr aus freien Stücken ihre persönliche Geschichte anvertrauen. Das ist es tatsächlich auch, was sie an ihrem Beruf besonders gerne mag – die vielen unterschiedlichen, spannenden und faszinierenden Lebensgeschichten, denen sie begegnet. Es inspiriert sie immer wieder, wie manche Menschen schwere Schicksale und Krankheiten bewältigen und wie gestärkt und positiv sie da teilweise daraus hervorgehen.
Auf ein herausragendes, größtes Kompliment kann sie sich gar nicht festlegen. Es gibt so viele schöne Geschichten, die sie erlebt und Aufmerksamkeiten, die sie bekommen hat. So zum Beispiel ein langjähriger, fast 80-jähriger Patient, der vor vielen Jahren schwer erkrankte und seitdem zwar beeinträchtigt aber ansonsten topfit ist. Dieser ist Hobbyimker und brachte ihnen als Dank etwas von seinen Propoliserzeugnissen mit, damit sie auch so lange so fit bleiben wie er selbst 🙂
Am dankbarsten ist sie letztendlich für ihr Team. Einfach weil es so toll ist und es „ein schönes Sein, ein schönes Miteinander“ ist. Ich würde sagen, wenn man so ein Team um sich vereinen kann und sich darauf stets verlassen kann, könnte auch das das größte Kompliment für die Praxisleitung sein 😉
Komplimente, die sie verteilt.
Nachdem sie ja eigentlich potenziell jedermann in die Finger kriegen kann, muss sie sich ständig auf neue Charaktere einlassen können und braucht dabei mitunter manchmal sehr viel Einfühlungsvermögen, um mit der Therapie vorankommen zu können. Somit verteilt sie, wie bestimmt alle Ergotherapeuten ;-), viele motivierende, aufbauende und animierende Komplimente 🙂
Wofür es mehr Komplimente braucht.
Wenn sie da auf ihr Berufsfeld blickt, wünscht sie sich viel mehr Bewusstsein und Anerkennung dafür, wie vielfältig die Fachkompetenz eines Ergotherapeuten sein muss. Wie eingangs beschrieben wissen eigentlich die wenigsten, dass man Ergotherapeuten schon fast so gut wie überall und in jedem Alter antreffen kann. Vor noch nicht all zu langer Zeit wurden sie immer mal wieder als „Basteltanten“ abgetan. Dies wird in keinster Weise der Realität gerecht. Wenn man mal darüber nachdenkt, dass man vom Säugling mit Geburtskomplikationen, über Unfallbeeinträchtigungen und neurologischen Erkrankungen, Depressionen, Menschen mit angeborener Behinderung, bis hin zum dementen Altersheimbewohner als Ergotherapeut allen gerecht werden muss und das auch möchte – da sollte einem meiner Meinung nach schnell klar werden, wie anspruchsvoll diese Tätigkeit ist…
Allgemein betrachtet sieht sie Notwendigkeit darin, alltägliche Dinge nicht immer als selbstverständlich hinzunehmen. Dass diese „Selbstverständlichkeiten“ gesehen und wahrgenommen und schlussendlich auch gedankt werden.
Ein spontanes Kompliment an ihr Team.
„Danke, dass ihr mit solchem Herzblut dabei seid und jede von euch das Team zu dem macht, was es ist!“

Ein spontanes Kompliment an ihren Beruf.
„Ich mag es einfach, wie abwechslungsreich du bist!“
Liebe Susann,
ich habe dich als sehr empathisch, einfühlsam und engagiert kennengelernt. Du kannst Dinge ruhig und unaufgeregt vermitteln und dabei zeitgleich Begeisterung hervorrufen.
Ich glaube, das Schicksal meinte es gut mit deinen Patienten, als du als angehende Berufsschullehrerin doch noch auf die Ergotherapie gestoßen bist 🙂
Mir imponiert, was du alles angehst. Was du schon in jungen Jahren beruflich alles gestemmt hast und auch jetzt noch nebenbei als Mama von zwei kleineren Kindern leistest und schaffst.
Genauso, wie es zu deiner Philosophie gehört, dass du nie genug und ausgelernt hast, um die Menschen noch besser da abholen zu können, wo sie stehen.
Ich bin sehr gespannt, wie es bei dir weiter geht.
Mein allerhöchstes Kompliment hast du jedenfalls definitiv sicher – stellvertretend für alle Ergotherapeuten und –therapeutinnen und für all das, was ihr leistet! 🙂
Bildrechte: Susann Friedrich
Fotografie: Kerstin Kestler von zweiwinkel


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