
„Wenn ich an einem schönen Tag
durch eine Blumenwiese geh
und kleine Bienen fliegen seh
dann denke ich an eine Biene, die ich mag…“
Ja, vor gar nicht allzu langer Zeit, in unserer Kindheit – bitte jetzt nicht gleich wieder an dein Alter denken und seufzen 😉 – vermittelten uns bereits Karel Gott und die Biene Maja, was für wundervolle Wesen diese kleinen, frechen, schlauen Bienen sind und dass wir sie zu unseren Freunden zählen dürfen. Schon die Bären Puuh und Balu lehrten uns, welch flüssiges Gold der süße Honig ist. Auch das Summen der Bienen, das den Frühling ankündigt und eine warme Milch mit Honig, die uns zum Einschlafen gereicht wurde, wecken schöne Erinnerungen.
Den Wildbienen wird ihr Land aber tatsächlich langsam unbekannt. Dem Menschen sei Dank – leider. Umweltgifte, einseitige Landwirtschaft, der Klimawandel uvm. erschweren und verhindern teilweise ihr Weiterleben. Und das obwohl ja gerade sie einen essentiellen Teil zum Leben auf der Erde beitragen.
Die Honigbiene hat da schon mehr Glück. Sie hat neben ihrer eigenen Königin noch einen menschlichen König oder eine menschliche Königin, der oder die das Bienenvolk freundschaftlich und liebevoll betreut…
Darf ich vorstellen.
Sabrina ist Mitte 30 und lebt mit ihrem Mann, ihren Hunden und ihren Bienen im oberfränkischen Sassanfahrt im Landkreis Bamberg. Von Beruf ist sie – auch – Imkerin. Sie stammt aus einer Imkerfamilie aber wie das halt oft so ist, in ihrer Kindheit und Jugend konnte sie sich absolut nicht vorstellen, dem einmal nachzueifern. Sie studierte in Norddeutschland BWL und ist auch heute noch in diesem Bereich als Dozentin an der Handwerkskammer tätig. Wenn man sich anschaut, was sie heute alles als Imkerin und für die Bienenwelt bewegt, muss man sagen: Glücklicherweise hatte sie anlässlich ihrer Hochzeit eine „Schnappsidee“ – Zitat Sabrina 😉 Sie wollte als Gastgeschenk ihren eigenen Honig mitgeben. Gedacht getan. Da auch ihr heutiger Mann Interesse an der Imkerei bekundete, nahmen sie Unterricht, gaben Bienen bei sich ein Zuhause und gründeten ihre eigene Imkerei. Manchmal schreibt halt auch eine Schnappsidee die schönsten Geschichten 🙂
Heute ist das Imkern ihre absolute Leidenschaft. Ihre „Honigmanufaktur mit Herz“ betreibt sie mit vollster Hingabe. Aber nicht nur das. Durch zahlreiche zusätzliche Aktivitäten bietet sie der Imkerbranche einen echten Mehrwert.
Portfolio einer Bienenmama.
Also zumindest das von Sabrina kann sich echt sehen lassen. Alles hier zu benennen würde den Rahmen sprengen, aber einiges schauen wir uns natürlich mal kurz an:
- Da wäre zunächst natürlich mal ihre eigene Imkerei. Die Bewirtschaftung und Pflege ihrer eigenen Bienenvölker und das Gewinnen und Vermarkten ihres Honigs.
- Für Unternehmen bietet sie neben Workshops und Social-Media-Beratung das Projekt „Firmenbienen“ an. Hier werden Flächen für Wild- oder Honigbienen generiert und von Sabrina betreut. Sie übernimmt auch die Gewinnung des Honigs. Dieser aber gehört dem jeweiligen Unternehmen. Aktuell betreut sie u. a. die Firma Schaeffler in Hirschaid und das Bekleidungshaus Murk in Wachenroth.
- Sie ist in der Vorstandschaft des Imkervereins Bamberg und Umgebung e. V. und übernimmt dort aktiv etliche Aufgaben. Besonders nennenswert ist hier die Mitbetreuung des Lehrbienenstands in Bamberg, der Imkeranfängern ein guter Wegbegleiter ist oder auch die Übernahme einer Imkerpatenschaft, um „Jungimker“ während ihrer Ausbildung in der Bienensaison von April bis September an die Hand zu nehmen.
- Auf Anfrage eines Verlages hin hat sie an einem Kinderbuch mitgearbeitet. In „Honig für dich“ erfahren Kleinkinder anhand von großformatigen Fotografien und kleinen Reimen wie Honig entsteht.
- Kinder liegen ihr am Herzen: Am Lehrbienenstand in Bamberg ist sie Teil des Ferienprogrammes der Stadt Bamberg. In Kindergärten bietet sie Lesestunden und bringt den Kindern durch diverse Aktivitäten ihren Beruf, die Bienen und die Honiggewinnung näher. Aktuell plant sie außerdem speziell für Kinder ausgelegte Workshops.
- Mit an die 100 Tsd. Followern auf Instagram lässt sie so manchen Influencer vor Neid erblassen. Hier kam ihr ihr Studium wieder zugute, denn das umfasste auch Marketing und so kann sie nicht nur ihre eigenen Social-Media-Kanäle hervorragend „füttern“ sondern auch andere beim Sichtbarmachen unterstützen.
- Während Corona hat sie mit zwei anderen Imkerinnen die #instaimkerin-Community gegründet. Sie organisieren Treffen, Fortbildungen, Messebesuche und diverse Gelegenheiten zum Austausch untereinander.
- Pläne und Ideen hat sie eigentlich immer. Derzeit setzt sie zusammen mit einem ortsansässigen Milchbauern ein Projekt um – sie geben ihre eigene Honigmilchseife in Produktion 🙂
- Ach ja, um nochmal daran zu erinnern, sie ist zu all dem auch noch Dozentin an der Handwerkskammer…
Ihre Lieblingstätigkeit.
Mich interessiert, was von all ihren Tätigkeiten sie am liebsten macht. Da hat sie gleich zwei klare Antworten. Zum einen genießt sie es Bienenschwärme einzufangen. Sie wird angerufen, wenn irgendwo ein Imker benötigt wird, um Bienenschwärme in Gärten oder dergleichen einzufangen und umzusiedeln. Während der Schwarmzeit von April bis Juni ist sie hier im ganzen Landkreis unterwegs. Der Instinkt der Bienen fasziniert sie dabei immer wieder auf’s Neue. Sie ist jedes Mal gespannt, was sie dabei erwartet.
Zum anderen schleudert sie echt gerne Honig. Sie mag einfach den Vorgang an sich und dass sie dabei im Gegensatz zur Dozentenarbeit ein Ergebnis „zum Anfassen“ erzeugt.
Drei Fakten über Sabrina. Oder auch: Gegensätze ziehen sich an.
Auf der einen Seite praktiziert sie ja als Dozentin in einem eher „trockenen“ Bereich mit überwiegend geistiger Arbeit und vorhersehbaren Abläufen. Auf der anderen Seite geht sie als Ausgleich voll in der Imkerei auf und liebt es, wie schon beschrieben, das Werk was sie hierdurch geschaffen hat – den Honig – zu sehen und in den Händen halten zu können. Bei dieser Tätigkeit kann man nicht alles rational planen, unvorhergesehene Überraschungen müssen immer wieder mit einkalkuliert werden und auch das macht den Reiz für sie aus.
So sehr ihre Bienen auch mag – ihren Honig muss sie nicht unbedingt essen. Sie verwendet ihn gerne mal, um ihrer Gesundheit etwas Gutes zu tun und gibt ihn ins Salatdressing oder unter den Joghurt, aber als Brot- oder Brötchenbelag wählt sie dann doch lieber Käse.
Kaum zu glauben: Als Imkerin ist sie ja sehr häufig von sehr, sehr vielen Bienen umgeben – und gleichzeitig reagiert sie allergisch auf sie. Sie hat immer ihr Notfallset griffbereit und muss ggf. nach einem Stich einen Arzt aufsuchen. Zu den Bienen geht sie nie gestresst und ohne Schutzanzug. So senkt sie das Risiko gestochen zu werden auf ein Minimum.
Sabrina und die Komplimente.
Sie sagt von sich sie sei „Mittelmaß“ im Komplimente verteilen und begründet das darin, dass sie nur nachhaltige und ehrliche Komplimente verteilt. Also ich würde sagen, das ist nicht Mittelmaß sondern eher gekonnt! 🙂 Sie spricht aus was ihr ehrlich gefällt, was ihr positiv an Menschen, die sie kennt auffällt oder auch wenn sie besonders sympathische Klassen betreut.
Sie erhält viele Komplimente für Sachen, die sie eigentlich als selbstverständlich ansieht. So zum Beispiel für ihr umfangreiches Basiswissen rund ums Thema Biene. Als Kind einer Imkerfamilie ist sie mit diesem Wissen groß geworden, andere müssen sich das erst aneignen.
Aufgrund ihrer zahlreichen Tätigkeiten und Engagements sollte man meinen, ihr Tag habe weit mehr als 24 Stunden. Daher wird sie auch dafür bewundert, was sie alles schafft. Sie sieht das aber gar nicht so, da es für sie ja keine Arbeit in dem Sinn ist. Es ist eben ihre Leidenschaft und da gilt: „Wer seine Berufung gefunden hat, muss nie mehr arbeiten.“
Ihr größtes Kompliment.
Als Imkerin freut sie sich besonders darüber, wenn sie zur Weihnachtszeit Anfragen von Firmen erhält, die ihren Honig als Mitarbeiter- oder Kundengeschenke haben wollen.
Außerdem freute es sie sehr, als ihr Honig als Kommuniongeschenk gewählt wurde – anstelle der obligatorisch in Franken ausgeteilten Krapfen.
Das finde ich persönlich sehr sympathisch und herzerwärmend. Bei all dem Engagement, dass diese Frau leistet und wofür sie auch bewundert wird, bei all den Erfolgen, die sie für diese Branche erzielt und trotz ihres viel gelobten Honigs, nennt sie als größte Komplimente für sie und ihre Arbeit, wenn ihr Werk zu Weihnachten und anderen Feierlichkeiten verschenkt wird 🙂 So schön und ein bisschen „back to the roots“ – schließlich fing ja für sie auch alles mit ihren Hochzeitsgeschenken an 🙂
Wofür es mehr Komplimente braucht…
… für sie selbst? Sie überlegt. Und überlegt. Aber bescheiden wie sie ist fällt ihr einfach nichts ein. „Ich bin dankbar“, sagt sie, „ich bekomme schon sehr viele Komplimente.“
… im Allgemeinen: Auch sie ist der Meinung, dass die Gesellschaft wieder mehr Wertschätzung füreinander an den Tag legen sollte. Sei es für die Menschen, ihre Arbeit oder auch für die Umwelt. Den eigenen Fokus weg von kleineren Problemen und hinzu den Schönheiten des Alltags richten. „Ein Geschenk wäre es, wenn die Menschen untereinander denjenigen die volle Aufmerksamkeit und Wahrnehmung geben würden, mit denen sie gerade zu tun haben.“
… für die Imker: Die Imkerschaft an sich hat eigentlich schon ein gutes Ansehen. Die auch medial viel thematisierte Bedrohung der Wildbienen hat das noch bestärkt. Was aber viele nicht wissen: 99 % der Imker in Deutschland sind Hobbyimker. Von der Imkerei alleine kann man nicht leben. Unser Honig stammt also eigentlich aus einer idealistischen Branche und einer privaten Leidenschaft heraus. Ein Glas qualitativ hochwertiger Honig ist somit verständlicherweise keine Billigware. Dennoch werden die Honigpreise teilweise kritisiert. Würde man diesen aber korrekt betriebswirtschaftlich berechnen, müsste er wahrscheinlich zwischen 25 und 35 Euro liegen…
Ihr Kompliment für die Bienen.
Ich frage sie, welche Komplimente sie ihren Bienen einfach mal direkt aussprechen wollen würde, wenn das möglich wäre. „Ihr seid schon echt saufleißig!“ antwortet sie prompt. Sie würde ihnen sagen, dass sie ihren Zusammenhalt bewundere. Dass sie als Einzelne fleißig sind aber immer für’s Volk arbeiten. Da könnten wir Menschen uns manchmal was von abschauen. Es sei faszinierend was und wie sie alles erschaffen. Ihre Bauten sind architektonische Meisterleistungen. „Und so ne Bienenkönigin ist auch echt hübsch!“, lacht sie zum Abschluss 🙂
Liebe Sabrina,
ich mag deine Geschichte einfach.
Dein ganzer Werdegang und was du bis heute geschaffen und noch in Planung hast, finde auch ich bewundernswert.
Du verkörperst in menschlicher Gestalt viele der guten und faszinierenden Eigenschaften deiner Bienen. Von kleiner Statur und mit honigblondem Haar kommst du daher und zeigst dann schnell was in dir steckt.
Saufleißig bist auch du. Schließlich wirst du nicht umsonst dafür bewundert, was du alles schaffst 🙂 Außerdem arbeitest du dabei sehr viel für dein Imkervolk und initiierst Projekte für gegenseitige Unterstützung und Zusammenhalt. Auch das finde ich, ist allemal ein echtes Kompliment wert!
Für eine Überraschung und neue Ideen bist du immer gut. Wie die Biene bist du dabei sehr perfektionistisch und gibst grundsätzlich eher 120 Prozent.
Welch ein Glück, dass du deine Liebe zur Imkerei und den Bienen entdeckt hast. Ich bin gespannt, wie deine Geschichte weiter geht 🙂
Bildrecht: Sabrina Lamm


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