Welche Gefühle löst ein Kompliment aus?

Ein Kompliment hört jeder gerne. Ein Kompliment ist etwas Schönes. Da freut sich doch jeder darüber – oder etwa nicht?

Ein Kompliment möchte jeder haben. So lautet das Credo auf der einen Seite. Auf der anderen Seite liest und hört man immer wieder, dass die wenigsten ein Kompliment gut annehmen können. Wie passt das jetzt zusammen?

Weil ein Kompliment – vorrangig im ersten Moment – unterschiedliche Gefühle auslösen kann. Welche sind das?

Freude

Wenn jemand sofort Freude empfindet sobald er ein Kompliment erhält, ist das ja schon fast wieder ein Kompliment für den Aussprechenden wert. Denn dann hat dieser ja eigentlich schon alles richtig gemacht. Er hat wohl den richtigen Moment, den richtigen Ton und die richtige Wortwahl getroffen. Ein Kompliment, welches sofort pure Freude auslöst – besser geht es doch gar nicht…

Aufregung

Dass ein Kompliment eine Person in Aufregung versetzt, ist vermutlich vorrangig eine Situation in der Liebe. Man ist in der Kennenlernphase, ist vielleicht verliebt und weiß noch nicht so genau, wie der andere für einen empfindet. Kommt von dem/der Angebeteten ein Kompliment, könnte das ein gutes Zeichen sein und man hofft und bangt, wie es weiter geht. Aber auch in einem Bewerbungsverfahren und dergleichen könnte das vorkommen. Die Chancen auf etwas, was man haben oder erreichen möchte, scheinen zu steigen.

Wohlgefühl

Nach einem Wohlgefühl streben wir doch alle in allen Bereichen. Auf der körperlichen Ebene sorgt zum Beispiel ein gutes Essen, Sport oder eine Massage für ein Wohlfühlen. Auf der seelischen Ebene, kann das eine erfüllte Liebe, ein gutes Gespräch, der Glaube oder eben einfach ein Kompliment sein. Komplimente sind sozusagen Wellness für die Seele.

Ablehnung/Abneigung

Diese tritt auf den Plan, wenn man das erhaltene Kompliment gar nicht haben will. Bei einer plumpen Anmache zum Beispiel. Wenn uns damit einer zu nahe kommt. Wenn man merkt, dass es nicht ehrlich gemeint ist. Wenn es Grenzen überschreitet. Wenn es das Verhältnis zweier Personen zueinander auf eine andere, nicht von beiden Seiten gewünschte Ebene stellt.

Sicherheit

Ein Gefühl von Sicherheit durch ein Kompliment ist auch überwiegend aus der Liebeskiste. Es vermittelt, dass der Partner einen (noch immer) wertschätzt, einen sieht, einen bewundert. Diese Aufmerksamkeiten lassen einen in seiner Beziehung in Sicherheit wiegen. Geht aber auch woanders, wie z. B. in der Arbeitswelt oder beim Teamsport. Erhält man dort Komplimente für seine Arbeit und Leistung, wird einem wohl eher keiner den Platz streitig machen.

Unsicherheit

Diese entsteht wenn man nicht weiß, wie man das Kompliment einordnen soll. Ist es ernst gemeint, möchte der andere nur etwas Bestimmtes erreichen, war es nur eine Floskel, wollte derjenige nur nett sein oder macht er mich gerade an. Oder wenn man nicht weiß, wie man reagieren soll.

Unbehagen

Fühlt man sich nach einem Kompliment unwohl, galt das Kompliment wohl etwas, was man selbst bei sich nicht mag. Es triggert den Selbstzweifel, etwas wofür man wenig Selbstwert hat. Eigentlich ein guter Grund für eine Selbstreflexion im Nachgang. Wofür war dieses Kompliment und weshalb war es mir so unangenehm? Vielleicht ist die Begründung ja mittlerweile schon völlig überholt und gar nicht mehr nötig 😉 Oder es ist etwas, was sich lohnt, in Angriff genommen zu werden.

Unangenehm ist es aber auch, wenn man das Kompliment von der falschen Person zur falschen Sache und/oder im falschen Moment bekommt. Klassisch hier wohl, wenn Komplimente von jemandem kommen, der dich liebt aber du ihn/sie nicht.

Verwunderung

Erhält man ein Kompliment aus heiterem Himmel, ist man zunächst überrascht. Oder man erhält ein Kompliment für etwas, womit man so gar nie gerechnet hätte oder was man selbst an bzw. von sich gar nicht mag und auch das sorgt für Erstaunen.

Bestätigung

Ab und an erwartet man auch einfach ein Kompliment. Hat man etwas gekocht und findet es außerordentlich gut gelungen, wartet man auf ein Kompliment von den Bekochten. Es bestätigt die eigene, für gut befundene Leistung. Oder man kommt mit einer neuen Frisur oder einem neuen Kleid nach Hause und gefällt sich selbst sehr gut. Hier steht einfach die eigene Überzeugung von etwas dahinter.

Traurigkeit

Ja auch das kommt vor. Ein Kompliment kann etwas triggern und alte Gefühle oder Situationen hervorrufen. Vielleicht erhält man ein Kompliment, welches man vormals immer von einer zerflossenen Liebe oder einem verstorbenen Partner bekommen hat. Es erinnert an etwas schönes Vergangenes. Oder man erhält ein Kompliment fälschlicherweise für etwas. Womöglich steckt hinter dem scheinbar tollen Gewichtsverlust keine Diät und kein Sport sondern eine ernste Krankheit…

Stolz

Wird ein Kompliment für etwas ausgesprochen, wovon man der Urheber oder der Erschaffende ist, löst diese Bestätigung Stolz aus. Stolz, etwas gemacht oder erreicht zu haben, was andere wertschätzen.

Wichtig sein

Nach einem früheren Beitrag erhielt ich eine Zuschrift von einer lieben Leserin, in der sie mir erläuterte, dass ein Kompliment ihr ein Gefühl von wichtig sein gibt. Sie sei dann für die andere Person wichtig genug. Wichtig genug, dass diese Person sich die Zeit genommen hat, sich Gedanken über sie zu machen und ihr dadurch etwas von ihrer Zeit geschenkt hat. Wichtig genug, um sie zu netten, schönen Worten für sie zu veranlassen.

Das waren nun schon einige Gefühle, die durch ein Kompliment ausgelöst werden können und es gibt sicherlich noch etliche mehr. Manche Gefühle gehen ineinander über oder bedingen sich gegenseitig. Manchmal löst ein Kompliment eine Kettenreaktion von vielen unterschiedlichen Gefühlen aus, ein wahres Gefühlsfeuerwerk sozusagen. Und manchmal ist auch einfach nur eines sehr dominant.

Ein Kompliment kann viel auslösen und der Empfangende wird teilweise mit diesen ganzen Impulsen und Emotionen, die da auf ihn einprasseln, gar nicht so schnell fertig. Gleichzeitig achtet der Komplementegeber oft besonders auf diese Reaktion. Und dann läuft da in der Leitung zwischen Kompliment und Reaktion ganz schön viiieeel ab und unter Umständen folgen einige Missinterpretationen in beide Richtungen. Das wiederum bewirkt leider womöglich einen vorsichtigeren oder zögerlicheren Umgang mit Komplimenten und dem Komplimente verteilen. Und so soll es doch eigentlich gar nicht sein.

Auch wenn man manchmal ins Fettnäpfchen tritt oder eine andere als erhoffte Reaktion erhält, habt Nachsicht mit euch und den anderen. Ihr habt euch ja jetzt bewusst gemacht, was da alles mit rein spielen kann.

Es macht immer und immer wieder Sinn, den Mitmenschen zu sagen, was man ehrlich gut findet. Denn ein Kompliment ist wie ein Vitaminpräparat mit Depotwirkung. Dieses ist für manche auch erst mal schwer zu schlucken und es dauert ein bisschen, bis die gute Wirkung losgetreten wird – dafür wird sie das aber über einen längeren Zeitraum immer wieder.

Und auch ein Kompliment ist für viele oft erst mal schwer anzunehmen. Es dauert mitunter auch einige Zeit, bis es verinnerlicht wurde. Aber es setzt dann doch meist nach und nach, auf lange und sogar unbestimmte Zeit, immer wieder gute Gefühle frei 🙂

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