
Ist ein Lob auch ein Kompliment und ein Kompliment auch ein Lob? Und was ist mit einer Danksagung? Die unterscheidet sich doch im ersten Moment klar vom Lob bzw. vom Kompliment. Macht sie das bei genauerem Hinsehen immer noch? Gibt es hier wirklich immer klare Unterschiede oder sind die Grenzen eher fließend? Oder ist das alles einfach nur Auslegungssache? Was schreibe ich hier denn nun eigentlich immer? 😉
Fragen über Fragen 🙂
Das Lob.
Schauen wir uns erst wieder die offizielle Bedeutung von „Lob“ an:
Duden:
Anerkennend geäußerte, positive Beurteilung, die jmd einem anderen, seinem Tun, Verhalten o. Ä. zuteilwerden lässt.
Wikipedia:
Unter Lob versteht man die Anerkennung von Leistungen oder Verhaltensweisen durch sprachlich oder körpersprachliche Ausdruckmittel (zum Beispiel Mimik, Gestik). Lob ist auch Gegenstand lernpsychologischer, motivationspsychologischer und erziehungswissenschaftlicher Betrachtung.
(Ich werfe mal kurz ein, dass mir die Beschreibung von Wikipedia besser gefällt. Beim Duden steht hier „Beurteilung“. Auch wenn sie in dem Fall positiv ist – ich glaube, es gäbe schönere Ausdrucksformen als beurteilen.)
Das Kompliment.
Damit haben wir uns ja schon genauer bei „Ein Kompliment – was ist das eigentlich?“ auseinander gesetzt.
Aber kurz zum Vergleich hier nochmal die Definition des Komplimentes im Duden:
Lobende, schmeichelnde Äußerung, die jemand an eine Person richtet, um ihr etwas Angenehmes, Erfreuliches zu sagen (und ihr zu gefallen).
Und wo ist jetzt der Unterschied?
Also ein Lob ist eine positive Anerkennung für etwas geschaffenes oder getätigtes etc. Somit ist für mich ein Lob auch ein Kompliment.
Ein Kompliment umfasst aber mehr als ein Lob. Ein Kompliment kann ich an einen natürlichen Zustand aussprechen. Klassisches Beispiel: „Du hast schöne Augen.“ Heißt die Natur, Gott, die Gene oder wer auch immer hat mir schöne Augen mitgegeben. Ich habe meine Augen aber nicht selbst geschaffen, daher kann man mich dafür nicht loben. Da muss man die Natur, Gott, die Gene oder was auch immer loben.
Anders aber: „Ich finde dein Augen-Make-Up ist dir heute besonders gut gelungen, deine Augen schauen dadurch sehr ausdrucksstark und noch schöner aus“. Ich habe mich selbst geschminkt und es betont meine Augen heute sehr gut. Ich habe also etwas „gemacht“ und dafür erhalte ich Lob und Kompliment.
Egal was, raus damit.
Wir sehnen uns alle sowohl nach Lob als auch nach Komplimenten. Es liefert uns eine gute Bestätigung oder Rückmeldung. Drum spart nicht daran. „Ein Lob muss man sich verdienen“. Najaaa. Irgendwie ja und irgendwie nein. Bei der Phrase schwingt etwas Hartes mit. Ich wünsche mir da mehr was in die Richtung „Manche Dinge verdoppeln sich wenn man sie verteilt“.
Im Artikel „Von wem möchte man Komplimente bekommen?“ habe ich schon erläutert, warum ich die Eltern und die Liebespartner am Prägendsten für unser Leben finde. Drum liebe Eltern, lobt eure Kinder! Lieber einmal mehr als einmal weniger. Und als Erwachsene lobt eure Männer und Frauen – und euch selbst. Ich höre förmlich wie mir von manch einem entgegenschreit: „Dem/Der mehr Komplimente machen? Pfff, ich höre doch auch keine. Da werde ich dem/der gerade welche machen. Nee. Soll der/die erst mal anfangen“. Joa, aber wenn halt keiner anfängt, besteht nicht mal die Chance, dass es mehr werden.
Mir ist es ja egal, ob ich ein Lob oder ein Kompliment bekomme. Ich freue mich über beides 🙂
Ich glaube unter euch ist keiner, dem es nicht genauso geht…
Denkt daran, Lob und Komplimente sollten ehrlich und nicht unausgesprochen sein 🙂
Die Danksagung.
Na ich glaube hier können wir uns den Blick in den Duden sparen. Das Unterscheidungsspektrum ist da größer. Bedankt man sich zum Beispiel für eine Einladung, ist das meist eher nüchtern sachlich. Wenn ich spitzfindig bin, könnte ich natürlich auch sagen, ich denke mir ein „Kompliment, dass du mich eingeladen hast, etwas Besseres hättest du gar nicht machen können!“ hinterher. Vermutlich kommt das aber nicht nur bei mir eher selten vor 😉
Anders der Fall, wenn ich mich bei jemandem bedanke, dass er mir zugehört hat. Oder dass er immer für mich da ist. Dass er mir immer hilft, wenn ich ihn brauche. Einfach, dass er ein Teil meines Lebens ist. Hach, da höre ich doch förmlich, was da für eine Herde Komplimente hinterher galoppieren könnte 😀
„Du bist so ein feinfühliger, guter Zuhörer, dir kann ich alles sagen.“
„Du bist der beste Freund, den ich mir wünschen kann. Immer an meiner Seite. Ich bin so froh, dass ich dich habe.“
„Ich kann dir gar nicht beschreiben, wieviel es mir bedeutet, dass du immer da bist, wenn ich Hilfe brauche. Du tust mir einfach nur gut.“
„Ich danke dem Himmel dafür, dass er dich in mein Leben geschickt hat. Ich kann mir ein Leben ohne dich nicht mehr vorstellen. Du bist einzigartig für mich. Ich liebe dich.“
Um mal einige Beispiele zu nennen 😉
Meine Auslegung.
Aus den Gesprächen mit euch weiß ich, dass es da ganz viele verschiedene Auffassungen gibt. Die einen unterscheiden ganz genau, die anderen sehen das sehr offen.
Für mich sind die Grenzen da eher sehr fließend. Manchmal geht eines ins andere über und schließt das andere auch nicht aus.
Und: Wir kommunizieren ja auch nonverbal.
Und: Auch wenn man nichts sagt, sagt man manchmal was.
Und: Man muss oft auch zwischen den Zeilen lesen.
Es kann nicht jeder die schillerndsten Lobeshymnen und die schmalzigsten Komplimente formulieren. Manch einer bringt sowohl Lob als auch Kompliment und selbst „Danke“ schwer über die Lippen. Vielleicht nicht mal aus Boshaftigkeit sondern weil er es selbst nie gelernt hat. Seine Bewunderung muss man auch erst mal ausdrücken können. Das gilt es alles zu berücksichtigen.
Einfach mal öfter als gut für euch auslegen und dabei denken:
„Ich nehme das jetzt mal als Kompliment. Danke :-)“


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