Von wem möchte man Komplimente bekommen?

Von wem möchtest du gerne ein Kompliment hören?

Je nach Lebensabschnitt werden da unterschiedliche Antworten aufkommen. Wenn man ein bisschen tiefer geht, kommen uns aber wahrscheinlich die gleichen Personengruppen in den
Sinn. Und davon sind zwei im Leben am
prägendsten würde ich sagen. Was und welche meine ich damit?

Im Laufe des Lebens wechselt unser Fokus.

Das Bedürfnis nach Lob und Anerkennung wird uns schon mit in die Wiege gelegt. Das äußert sich bei den Kleinsten natürlich noch ein bisschen anders. Sie kommunizieren zunächst durch Schreien, dass Ihnen etwas fehlt. Zum Beispiel Nähe. Erhalten Sie diese, sind sie wieder zufrieden. Kein Jahr ist vergangen und sie testen fleißig aus, wie sie welche Aufmerksamkeit erhalten und brauchen immer wieder den Rückhalt der Eltern, während sie die Welt entdecken.

In den ersten Lebensjahren prägen uns die Eltern sehr viel. Ihr Lob ist uns da am wichtigsten. Gleich hier entsteht schon etwas, was auch in der Psychologie seinen Platz hat: Das innere Kind. Dieses Modell besagt, dass Verletzungen aus den Kindheitsjahren unsere Lebensfäden ziehen und uns Leid, Krankheit und schlechte Verhaltensmuster bescheren (können). Es deutet sich hier also an, dass die Eltern für mich eine der beiden prägendsten Personengruppen und ihre Komplimente für uns von immenser Bedeutung sind.  

Im Schulalter kommt das Lob von Lehrkräften, Erziehern und ggf. Trainern hinzu. Außerdem gewinnen Freunde und deren Meinung immer mehr an Bedeutung.

In der Pubertät wird es dann langsam richtig spannend. Freunde und Mitschüler sind weiterhin sehr wichtig. Elternlob dagegen eher ziemlich out. Im Gegenteil, das kann da schon manchmal richtig peinlich sein (Eltern sind gerade sowieso das Letzte und haben eh keinen Plan von nix…). Zumindest oberflächlich ist das manchmal so. Innerlich hält der Einfluss weiter an. Und dann – der erste Schwarm, die erste große Liebe. Wer kann sich nicht daran erinnern? Und an den folgenden Herzschmerz gleich mit? Hier macht sich das nächste große Fenster und meine zweite einflussreichste Personengruppe auf: Liebespartner. Oh yes. Wenn man bedenkt wie unbedarft und freudig man da ursprünglich ran geht und in welcher Bitterkeit man dann nach der dritten Scheidung gelandet ist…

Irgendwann sind wir dann erwachsen.

Als junge Erwachsene sind es entweder Dozenten, Professoren etc. oder die ersten Arbeitgeber und Kollegen, von denen wir zusätzlich gerne Komplimente hören wollen.

Hier ist auch in aller Regel die Zeit, in der bei dem Liebesdings voll der Punk abgeht. Da trifft u. a. Spaß auf Familienplanung oder biologische Unfälle auf biologische Uhr. Drum prüfe wer sich ewig bindet aber nicht immer wer suchet der auch findet. Nicht umsonst kommt hierher der Stoff für unzählige Bücher, Filme und Lieder.

Jetzt wird häufig eine Familie gegründet und der eigene Nachwuchs kommt ins Spiel. Von diesem hört man auch gerne zuneigende Komplimente und die Bestätigung vom Partner bleibt wichtig. Zusätzlich rücken die eigenen Eltern wieder ein bisschen in den Vordergrund. Man wird an die eigene Kindheit erinnert und möchte es entweder genauso oder viel besser machen. Man gewinnt mehr Verständnis für die Eltern, warum sie damals vielleicht doch nicht soooo schrecklich waren wie manches Mal geglaubt. Und von ihnen zu hören, dass man die eigene Elternschaft toll meistert, tut doch sowieso gut.

Die fetten Jahre kommen jetzt?

Jetzt kommen langsam die Jahre, in denen wir ernten was wir säten. Da freuen wir uns an den Reichtümern die wir aufbauten, an den Karrieren die wir uns erarbeitet haben, an den Kindern die wir groß gezogen haben oder an der jungen Affäre die wir an Land gezogen haben. Für all das lassen wir uns gerne bewundern.

Oder wir kommen in den Groll weil uns die eine oder andere Krankheit plagt, die soundsovielte Beziehung in die Brüche ging, sich Familien- oder Lebenspläne nicht erfüllten und wir uns das eh alles ganz anders vorgestellt hatten. Auch unser Körper zeigt vielleicht mittlerweile deutlich, ob wir ihn bis hierhin gut behandelt oder vernachlässigt haben. Welche Freundschaften haben die Zeit überdauert? Wir ziehen eine erste Bilanz.  Von wem hört man jetzt Komplimente? Partner und Kinder, das wäre immer noch schön. Kollegen, Bekanntschaften, Freunde weiterhin. Was kommt aber nun noch? Lob vom Hausarzt und Psychiater, dass man den Tablettenplan gut eingehalten hat und die Werte sich bessern oder vom Nachbarn, weil die Rosen in deinem Garten so schön blühen?

Das ist die Stelle an der ich mal einwerfen möchte, ob wir da nicht jemanden vergessen haben? Jemand ganz wichtiges, an den aber in dem Zusammenhang keiner denkt?

Möchtest du von dir selbst ein Kompliment bekommen?

Nein, kein Blödsinn und ich spinne auch nicht. Denk dran, du bist der einzige Mensch, mit dem du dein ganzes Leben zusammen bist. Nur du allein kannst es immer schön mit dir haben – oder musst dich immer ertragen. Du allein weißt, was du leistest. Du allein weißt immer, wofür du Komplimente verdient hättest. Warum erkennst du sie dir nicht selbst an?

Ein Grund ist womöglich, weil man uns das abgewöhnt hat. Selbstverliebtheit, eingebildet sein, arrogant, der Egoist der immer nur an sich denkt. Ist alles nicht gern gesehen. Natürlich auch teilweise zu recht.

Selbstliebe ist dennoch essentiell wichtig.

Ich weiß, kein einfaches Thema. Oft gelesen und dennoch kann man damit nicht wirklich was anfangen.

Aber einen Anfang machen, in dem man sich selbst Komplimente macht, das geht. Da hält einen auch keiner für verrückt. Denn es gibt Wege, bei denen man das leise, unauffällig und dennoch sehr effizient machen kann. Zum Beispiel sich das innerlich als Mantra immer wieder sagen. Oder im Bad, da kann man die Tür abschließen, da gibt es meist einen Spiegel. Und wenn du mit dem redest, redet der auch immer mit dir 🙂 Üben, üben, üben, Geduld haben und nicht wundern wenn sich da tatsächlich irgendwann mal was tut und sich irgendwo vielleicht eine Änderung, eine Besserung, ein leichteres Gefühl einstellt 😉

Psychohygiene macht’s einfacher.

Ich bin überhaupt ein großer Fan von Psychohygiene geworden. Und zwar so richtig ordentlicher Psychohygiene. Was nicht immer heißt, dass da ein Psychologe für her muss. Und es sind auch nicht immer die ganz großen Dramen, die Verletzungen ausgelöst haben. Die innere Ramschschublade richtig ausmisten. Erst wenn sie ganz leer ist, ist wieder Platz für Neues. Es hilft nicht unbedingt, den ganzen Inhalt gesammelt in eine Mülltüte zu geben und dann fort mit. Sind da z. B. offene Rechnungen drin, sind die nachher auch noch offen. Oder meinen, mal einen Achtsamkeitskurs zu belegen und ein Wellness-Wochenende buchen. Wenn die Schublade immer noch voll ist und du packst einfach noch was oben drauf, ist da so wenig Platz, dass es nicht wirklich bis zum Boden durchdringen könnte.

Vielleicht doch besser sich Zeit lassen. Ein Ding nach dem anderen herausnehmen, anschauen, überlegen woher das kommt. Habe ich es vielleicht geschenkt bekommen (wurde es mir quasi von den Eltern bei der Geburt schon mitgegeben)? War es ein Fehlkauf meinerseits (der Typ, an den ich 10 Jahre meines Lebens verschwendet habe, sah zwar gut aus aber nüchtern betrachtet, war es alles andere als der Richtige – dummerweise bin ich jetzt aber verbittert)? Ist es eines dieser Dinge, die man von irgendjemand bekommen hat, die Platz brauchen und man irgendwie nicht so wirklich wegschmeißen kann (geht mir z. B. so mit Dankeskarten für Hochzeits – und Geburtsgeschenken oder den unzähligen Kritzeleien meines Sohnes aus dem Kindergarten –  da sammelt sich einiges an, ich weiß irgendwann nimmer wohin damit und wegschmeißen bringe ich nicht über’s Herz 😉 – aber zurück zum Thema: Sind das vielleicht Verhaltensweisen, die sich durch meine Erziehung ungewollt so eingeprägt haben und sie behindern mich irgendwo am Weiterkommen in meinem Leben oder lassen mich immer den gleichen Fehler machen)? Und so weiter und so fort.

Und dann gut überlegen, was man damit macht, ob man es noch wirklich noch braucht und wo man es ggf. entsorgt. Stecke ich es in eine andere Schublade, ist es immer noch da, nur eben an einem anderen Platz.  Vielleicht durchleuchten wir das Ganze ein anderes Mal genauer.

Ich denke wenn man dann irgendwann mit sich „im Reinen“ ist (da sieht man mal wieder, was die Sprache schon alles hergibt), ist es leichter sich einen gemütlichen Lebensabend zu machen.

Rückblickend betrachtet.

Irgendwann kommen wir einfach in „das Alter“. Chapeau an diese gewissen älteren Personen, die eine wahnsinnige Ausstrahlung haben, die lächelnd und aufrecht und würdevoll und friedlich daher kommen. Bei denen man sofort sieht und spürt, dass sie mit sich und dem Leben zufrieden sind.

Und die einem eher selten begegnen. Ich kenne definitiv mehr, die ihrem Groll verfallen sind. Die sich vornehmlich über Krankheiten unterhalten. Die an allem etwas auszusetzen haben. Die nur ihre Weisheit gelten lassen. Die kaum mehr aktiv und interessiert sind und dadurch u. a. einsam. Hier zieht man wieder Bilanz und bereut vielleicht viel.

Und woher kommen jetzt noch Komplimente? Von unseren Kindern und Enkelkindern hoffentlich. Wenn ein Lebenspartner und Freunde verblieben sind, denken die hoffentlich weiterhin daran, dass auch jetzt noch Komplimente Balsam für die Seele sind.

Zusammengefasst hören wir immer und von jedem gerne Komplimente. Die von den Eltern und den Liebespartnern haben wahrscheinlich den meisten Einfluss auf unser Leben. Erinnern wir uns aber immer dran, wie wichtig Komplimente von uns für uns selbst sind.

Menschen, die freundliche, aufrichtige und ehrliche Komplimente verteilen, werden auch mehr empfangen. Probiere es einfach immer wieder aus und lass dich überraschen 🙂

2 responses to “Von wem möchte man Komplimente bekommen?”

  1. Ein wunderbarer Beitrag, der so nah am Alltag ist. Vielen Dank dafür 😍

    1. Oh vielen Dank! 😊 Ich freue mich sehr, über so eine tolle Rückmeldung ❤️

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