
Liebe Natur,
es gibt so viel Schönes über dich zu sagen. Ich weiß nur gerade nicht, wo ich anfangen soll. Daher schreibe ich dir jetzt diesen Brief als Zeichen meiner Wertschätzung. Und ich schreibe einfach mal drauf los. Womöglich kommt da jetzt ein großes Durcheinander. Das liegt daran, dass ich so viel über dich im Kopf habe. Ich hoffe, du bist mir deswegen nicht böse. Also ich fang dann jetzt mal an.
Ich habe einfach eine Grundsehnsucht nach dir. Ohne dich würde ich verkümmern. Schon alleine viele meiner schönsten Kindheitserinnerungen haben irgendwie mit dir zu tun. Rollerfässchen mit den Cousinen auf duftenden Sommerwiesen. Der Geruch vom Heu, der von den Weideflächen nebenan herüber weht. Die Grille, die mich schon immer im Sommer in den Schlaf zirpt. Auch meine ersten Haustiere, die mir als Kind viel Freude und Halt gaben, habe ich ja irgendwie dir zu verdanken. Welch ein Fest, wenn es im Winter mal Schnee gab und wir von früh bis spät Schlitten fahren konnten. Ostereier suchen im Wald. Meine Oma, die mit Kopftuch und Schürze im Garten saß und alles erdenkliche Obst und Gemüse verarbeitete. Als Kinder gingen wir raus auf die Straße und fanden da immer andere Kinder zum Spielen. Wir brauchten keine Konsole.
Ich bevorzuge Sportarten, die man an der frischen Luft machen kann. Und ich mag Spaziergänge nach Feierabend. An einem heißen Sommertag los joggen und in einen erfrischenden Sommerregen kommen – herrlich. Ab und an braucht es auch einfach mal eine ordentliche Brise Wind, die mir um die Ohren weht und meinen Kopf gedankenfrei fegt. Und wer hat nicht gleich viel bessere Laune, wenn die Sonne scheint?
Meine Kinder, die sind auch so ein Wunder der Natur. Und für dieses bin ich sehr dankbar. Was für ein Glück, ihnen dabei zusehen zu können, wie sie die Welt entdecken und vor Freude jauchzen, wenn sie einen Löwenzahn oder einen Regenwurm finden. Oder eine Regenpfütze zum Reinhüpfen…
Überhaupt all die Pflanzenarten, die Kräuter, unzählige Obst- und Gemüsesorten. All die Lebensmittel, die du für uns bereit hältst. „Für alles ist ein Kraut gewachsen“. Immer wieder erstaunlich. Auch was unser Körper so alles leistet und verzeiht. Irgendwie hast du in jeder meiner Lebenslagen irgendwas für mich parat. Sowas schafft sonst keiner.
Die ganze Schöpfung hat so viele intelligente Systeme inne. Ob es der Wissenschaft jemals gelingen wird, sie alle zu greifen? Wohl eher nicht. Auf diese Systeme hoffe ich übrigens. Denn was du als Erde so alles aushältst, ist immens. Und doch wandelst und regenerierst du dich immer wieder.
Erreiche ich ein neues Urlaubsziel, bin ich schon kurz nach dem Ankommen geflasht, in welch atemberaubende Schale du dich dort wieder geschmissen hast und was du woanders alles hervorbringst. Ich meine, bei uns zuhause ist es ja auch schon schön. Aber bei dir tun sich einfach unendliche Weiten auf, du bist überall faszinierend.
Auf viele deiner Regeln und Rhythmen ist immer Verlass. Der Wechsel der Jahreszeiten oder der von Tag und Nacht zum Beispiel. Und immer, immer wieder geht die Sonne auf. Jeden Tag ist ein neuer Morgen. Das ist schön und schrecklich zugleich. Steht meine Welt aufgrund eines schlimmen Ereignisses gerade still, störst du dich nicht daran. Die Sonne geht trotzdem wieder auf. Als wenn nichts wäre. Aber aus dem gleichen Grund ist das auch wunderschön. Denn jeden Morgen geht die Sonne wieder auf und es geht weiter, irgendwie.
Ich danke dir für alles, was du für mich tust und ich freue mich, ein Teil von dir zu sein. Ich bin schon gespannt, was wir weiterhin alles zusammen erleben werden. Du bist einfach mit das Größte für mich.
Deine Eva


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