Gründe für ein Kompliment.

Vor kurzem bin ich beim klassischen Zeitvertreib in einem Wartezimmer, beim Durchblättern einer Frauenzeitschrift, auf einen Kurzartikel mit der Überschrift „5 Gründe für ein Kompliment“ gestoßen. Ich habe ihn gelesen, er war gut geschrieben, er war kurzweilig, hatte wirklich schöne Anregungen und Ausführungen und dennoch – er hinterließ einen faden Nachgeschmack bei mir. Ja, es gibt natürlich Gründe für ein Kompliment. Es gibt tatsächlich auch viele und gute Gründe für ein Kompliment. Ja, es gibt auch weniger „schmeichelhafte“ Gründe für ein Kompliment.

Die Frage ist doch aber, BRAUCHT man tatsächlich einen Grund für ein Kompliment?

Gründe und Absichten.

Im Prinzip gibt es drei bis vier größere Gruppen, denen man diese Gründe zuordnen kann. Zum einen sind das Gründe, die mehr einen selbst betreffen. Zum anderen solche, die mehr mit der empfangenden Person zu tun haben. Man kann damit eine bestimmte Absicht verfolgen oder eher frei von Hintergedanken sein. Einige Absichten sind auch nicht unbedingt aller Ehren wert. Nicht zuletzt derentwegen hat das Kompliment leider manchmal keinen lupenreinen Ruf.

Schauen wir uns die Möglichkeiten einfach mal genauer an:

Bewunderung

Bewundert man etwas ist es doch super, wenn man das „laut“ macht. Sich das nicht nur im Stillen denkt, sondern der Person oder dem Verantwortlichen hinter einer Sache seine Bewunderung auch ausspricht.

Eroberung

Das geht dann meist in die Richtung Liebe, Partnersuche, Sex. Man sucht einen Partner für eine Beziehung, für eine schnelle Nummer oder man sieht einfach mal, was sich einem für Möglichkeiten bieten. Gibt es dann eine/n potenzielle/n Kandidatin/en möchte man die Person für sich gewinnen. Man legt sich ins Zeug und hofft auf Erfolg. Hat man Erfolg wird es spannend. Denn irgendwann folgt häufig die klassische Falle und es tritt Ernüchterung ein. Das vorgegaukelte Interesse ist nach erfolgreichem Flachlegen zackig weg. Oder es hat doch gefunkt und die Beziehung läuft so dahin, in der Hoffnung und Erwartung, dass der andere einen immer so auf Händen trägt, wie am Anfang. Pustekuchen, das mit den Komplimenten schläft dann ein, weil der andere das gar nicht in seiner Natur hat und die vielen Komplimente nur zu einem bestimmten Zweck rausgeholt hat. Glücklicherweise gibt es aber auch hier gute Beispiele, bei denen das einfach so drin ist und sich erhalten bleibt, im Laufe der gemeinsamen Jahre 🙂

Liebe

Es wird sich geliebt. Heiß und innig. Treu und tief. Seit kurzem oder seit langem. Am Anfang sprudeln die Komplimente oft nur so heraus. Mit der Zeit wird die Liebe nicht selten ein Stückchen Arbeit. Manche verlieren sich daran, andere arbeiten daran. Komplimente sind hier ein Zeichen von liebevoller Zuneigung und Anerkennung.

Lob

Lobt man jemanden, kommt das häufig in Form eines Kompliments daher. Es wird ausgesprochen, wie gut man etwas erledigt oder geschafft hat.

Dank

Auch bei einem Dank schwingen manchmal viele Komplimente mit. Ausgesprochen und unausgesprochen. Es wird sich bedankt für etwas, was man erhalten hat. Vielleicht für einen Freundschaftsdienst, eine Dienstleistung, ein Geschenk oder irgendeine Unterstützung, die großen Anklang findet.

Anerkennung

Man erkennt jemanden etwas an. Das kann man selbst toll finden, muss aber nicht unbedingt. Zum Beispiel kann man dem Nachbar anerkennen, mit wie viel Hingabe, Arbeit und Fleiß er sein altes Bauernhaus renoviert hat aber einem selbst muss das fertig gestaltete Haus nicht gefallen.

Aufmunterung

Wenn jemand erkennt, dass er selbst oder eine andere Person etwas verzweifelt oder mutlos geworden ist, wird das Bedürfnis nach Aufmunterung geweckt. Auch da macht man häufig die Komplimentekiste auf, um wieder für Aufwind zu sorgen.

Einschmeicheln

Einschmeicheln gehört eher weniger zu den good vibes. Sich bei jemandem einschmeicheln, um etwas Bestimmtes zu erwirken, hat meist einen negativen, unehrlichen Charakter.

Wie du mir, so ich dir

Da kommt das klassische Verlegenheits- oder Höflichkeitskompliment. Häufig, wenn einem ein Kompliment gemacht wurde und man damit entweder noch nicht so recht umgehen kann – dann wird aus der Verlegenheit heraus nach einem Gegenkompliment gesucht. Oder das erhaltene Kompliment kommt gar nicht so richtig an, wird aber freundlicherweise mit einem Höflichkeitsgegenkompliment quittiert. Im besten Fall ist es ein Gelegenheitsschaffer – weil man demjenigen auch schon mal eines hätte machen können, wollen oder sollen – es aber bisher nicht tat. Und man dann aber die Gelegenheit ergreifen kann und demjenigen das endlich ausspricht.

Selfcare

Die Sache mit dem Selbstwert, dem Selbstbewusstsein und der Selbstliebe findet langsam immer mehr Raum. Ziemlich oft sind diese Dinge Mangelware. Oder nur in bestimmten Bereichen gut bestückt. Und doch erschwert dieser Mangel in vielfacherweise unser Leben. Bewusst oder unbewusst. Wer da etwas für sich verbessern will, kommt selten um Komplimente für die eigene Person herum 😉 Oder auch: Wenn es sonst keiner tut, dann muss man es eben selber machen 😉

Einfach mal nett sein.

Man möchte einfach mal nett sein. Vielleicht geht es einem gerade selbst sehr gut und in dieser Stimmung möchte man auch andere daran teilhaben lassen. Einfach mal was Gutes tun. Und dann macht man auch einfach mal so ein Kompliment. Vielleicht der Kassiererin im Supermarkt, weil sie immer so nett zu einem ist. Vielleicht dem eigenen Papa, weil er sich immer Zeit für einen nimmt. Vielleicht der gestressten Freundin mit vier Kindern, die sich täglich durch den Alltag kämpft. Einfach mal eben so.

Wertschätzung

Komplimente als ein Zeichen der Wertschätzung. Man zeigt, dass man erkennt, was eine Person leistet und dieses auch wirklich zu schätzen weiß.

Ja es gibt sie, die Gründe für ein Kompliment. Das waren einige Beispiele und womöglich setze ich die Liste im Laufe der Zeit immer weiter fort.

Dennoch komme ich jetzt auf meine Eingangsfrage zurück: Brauche ich wirklich immer bewusst einen Grund, ein Kompliment auszusprechen?

Brauche ich einen Denkanstoß, um jemand etwas Positives zu sagen?

Kostet es Überwindung, ein Kompliment auszusprechen?

Das ist doch wirklich schade. Vor allem wenn man bedenkt, wie schnell häufig Kritik ausgesprochen wird. Vernichtende Aussagen gehen vielen oft leichter von der Zunge, als etwas Positives.

Komplimente verteilen sollte doch eher eine Lebensphilosophie sein.

Eine Lebenseinstellung, über die man gar nicht mehr nachdenken muss. Natürlich muss und soll man es doch gar nicht übertreiben.

Aber einfach ehrlich aussprechen, was man gut findet – wie schön könnte da unser Umgang mit einander auf einmal sein…

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