Komplimente für echte Helden: Heiko Reh und die Rollstuhl-Erlebnisreisen

Bildrechte: Rollstuhl-Erlebnis-Reisen GIAMBO gUG (haftungsbeschränkt)

Manche Menschen muss einfach der Himmel geschickt haben. Anders kann das gar nicht sein. Die ergreifen schon einen gemeinnützigen Beruf – und dann füllen sie auch noch fast ihre gesamte Freizeit mit selbstlosen, wohltätigen und guten Taten. Oft wollen auch genau diese Personen lieber im Hintergrund bleiben und den Fokus nur auf ihre Arbeit gerichtet sehen. Heiko Reh ist einer von ihnen. Er ist der Initiator der Rollstuhl-Erlebnis-Reisen GIAMBO gUG in Hamburg. Dieses Projekt ermöglicht kostenfreie Rollstuhl-Erlebnisreisen für Menschen mit Assistenzbedarf, die sich sowas aus eigenen finanziellen Mitteln nicht leisten können.

Aber, lieber Heiko, ohne dich gäbe es dieses Projekt gar nicht! Du hast es ins Leben gerufen, du nährst es und möchtest es groß ziehen, um noch mehr Menschen den Zugang dazu zu ermöglichen. Deshalb darf man meiner Meinung nach, auch dir ruhig mal Komplimente dafür aussprechen 🙂

Darf ich vorstellen.

Heiko ist Anfang 40 und kommt ursprünglich aus einer kleinen Gemeinde bei Bamberg in Oberfranken. Wie kommt man denn von da nach Hamburg? Man soll es nicht glauben, durch den FC St. Pauli 🙂 Von dem ist er seit dem Teenageralter ein großer Fan und ohne zu diesem Zeitpunkt jemals in der Hansestadt gewesen zu sein, hatte er schon das Bild von „Hamburg – meine Stadt“ im Kopf. Mit den Jahren näherte er sich an, über die Auswärtsspiele des FC St. Pauli im Süden, die Fanszene und zack – irgendwann war er dann tatsächlich mit Sack und Pack in Hamburg gelandet.

Hauptberuflich ist er examinierter Krankenpfleger und ebenfalls in der persönlichen Assistenz tätig. Seine Patientin ist auch auf eine 24-h-Betreuung angewiesen und die private Krankenpflege ermöglicht ihr und anderen wesentlich mehr Selbstbestimmung in ihrem Leben.

Seine zweite Leidenschaft neben dem FC St. Pauli ist das Reisen. Unter anderem war er mal ein Jahr mit dem Rucksack durch Asien unterwegs. Dort machte er für einige Wochen ein Praktikum in einem Krankenhaus in Nepal. Und hier war es auch, wo sich langsam die Vision formte, seinen Beruf und das Reisen zu vereinbaren. Sein Projekt „Rollstuhl-Erlebnisreisen – Hamburg ist für alle da“ wurde geboren.

Seine Rollstuhl-Erlebnisreisen.

Um was geht es da jetzt genau? Er ermöglicht durch dieses Projekt kostenfreie Rollstuhl-Erlebnisreisen für Menschen mit Assistenzbedarf, die einen Pflegegrad von 3 – 5 vorweisen und von Grundsicherung oder Vergleichbarem leben. Denn für sie sind das Reisen und die Teilnahme am kulturellen und gesellschaftlichen Leben oft mit solch hohen Hürden verbunden, dass sie viele aus der eigenen Kraft heraus nicht stemmen können.

Hier kommen also Heiko und sein Team ins Spiel. Dieses besteht aus ihm und weiteren fünf examinierten Pflegekräften, die die Rund-um-die-Uhr-Betreuung somit schon mal leisten können. Und dann gibt es da natürlich noch viele weitere Heinzelmännchen, die hier und da mit anpacken, organisieren, unterstützen und Aufgaben übernehmen. Überwiegend stammen diese aus seinem erweiterten Bekanntenkreis. Und jeder trägt mit seinem wenn auch noch so kleinen Beitrag dazu bei, dass dieses Projekt überhaupt ermöglicht werden kann.

Sie organisieren Tagesausflüge in Norddeutschland, für Menschen die in der Region Hamburg wohnen oder 4-Tagesreisen für diejenigen, die eine weitere Anreise haben. Da waren schon Teilnehmer/innen aus München und dem ganzen Bundesgebiet dabei. Schließlich möchte er ja, aus der eigenen Faszination heraus, allen ermöglichen, seine Wahlheimat Hamburg und den schönen Norden kennenzulernen.

Wie finanziert sich sowas?

Nur durch Spenden und Fördermitgliedschaften.

Die Fördermitgliedschaft startet bei einem erschwinglichen, monatlichen Betrag von 2,50 Euro.

Und auch bei den Spenden sind sie über jede noch so kleine Spende sehr dankbar.

Es ist wichtig, dass die Aktion mehr Bekanntheitsgrad und öffentliches Interesse gewinnt. Nur so kann sie wachsen, mehr Unterstützer gewinnen und das wichtigste: Mehr Menschen Erlebnisse ermöglichen, aus denen sie viel Positives und Kraft gewinnen und von deren Erinnerung sie noch lange etwas haben.

Seit Mitte 2018 gibt es die Rollstuhl-Erlebnisreisen nun schon. Leider hat auch hier Corona einiges ausgebremst. Umso mehr bleibt zu hoffen, dass diese wunderschöne, gemeinnützige Initiative jetzt wieder richtig Fahrt aufnimmt!

Komplimente, die er bekommt.

Logisch, hin und wieder erhält er schon Anerkennung dafür, dass er sowas anbietet. Ein Kompliment ist irgendwie auch, wenn er Interesse für Menschen mit Behinderung und für seine Initiative wecken kann. Oder wenn ehemalige Teilnehmer anfangen, ihn wiederum so gut es geht zu unterstützen.

Letztendlich ist auch der Dank der Teilnehmer ein riesiges Kompliment. Und wenn er während der Reisen das Glück des Moments in ihren Gesichtern erkennt.

Komplimente, die er verteilt.

Er gibt gleich mal zu, dass er weniger gesprochene Komplimente verteilt. Finde ich persönlich in seinem Fall nicht so schlimm. Er darf ruhig weniger ein Mann der großen Worte als vielmehr ein Mann der großen Taten sein 🙂 Und das ist er schließlich. Denn seine Taten sind auch irgendwo unausgesprochene Komplimente. Komplimente, die Menschen mit Behinderung und ihre Situationen anerkennen und sie ehren. Indem er ihnen etwas Tolles ermöglicht. Indem er sich auf ihre jeweilige Situation einstellt und mit Feingefühl versucht, ihnen ein unvergleichliches Erlebnis zu schenken.

Natürlich gehen bei ihm auch Komplimente in Form von Dank einher. Sein Dank an alle, die ihn in irgendeiner Form unterstützen. Sei es finanziell oder personell. Oder ihm irgendeine kleine Helferhand reichen. Es gibt ja zusätzlich verwaltungs- und organisationstechnisch wahnsinnig viel zu tun. Auch da sind ihm erwiesene Dienste sehr wertvoll.

Seine schönsten Erlebnisse.

Das sind für ihn zunächst mal schlichtweg die Persönlichkeiten, die er kennenlernt und ihre Geschichten. Er erzählt zum Beispiel von einem Teilnehmer, der ihn selbst sehr inspiriert hat. Dieser hatte seinerzeit vor Gericht erstritten, dass er raus aus dem Pflegeheim und mit persönlicher Pflegeassistenz zurück in sein Zuhause durfte. Er hatte dabei für viel positives Aufsehen gesorgt und einiges bewegt. Nicht zuletzt durch Demonstrationen, die er zusammen mit anderen Behinderten organisiert und durchgeführt hat. Heiko erinnert sich gerne daran zurück, wie er mit ihm bei einer Wasserpfeife in einer Sisha-Bar zusammen saß und über das Leben philosophierte.

Heiko mag generell auch die Herausforderungen, vor die ihn die Wünsche seiner Teilnehmer stellen. Einmal organisierten sie einen Tauchgang im Kreidesee in Hemmoor bei Cuxhaven, der in der Tauchwelt ein Begriff ist und sich großer Beliebtheit erfreut. Es war nicht ganz einfach aber mit einem Strandrollstuhl, einer zeitgleich erfahrenen Taucherin und Krankenpflegerin und einigen Hilfsmitteln, konnte auch dieser Wunsch einer Frau erfüllt werden.

Wofür wünscht er sich mehr Komplimente?

Ganz klar, da ist der Wunsch, dass sein Projekt mehr wertgeschätzt wird und sich etabliert.

Umgemünzt wünscht er sich Komplimente in Form von mehr Spenden und Fördermitgliedschaften. Denn auch diese sind auf eine gewisse Art eine Anerkennung seiner gemeinnützigen Arbeit.

Gesellschaftlich gesehen wünscht er sich mehr Komplimente, mehr Aufmerksamkeit und mehr Verständnis für die Bedürfnisse der Menschen mit Behinderung. Es sollte normal sein, dass sich alle damit auseinandersetzen und hin- anstatt wegsehen.

Eigentlich geht das ganz einfach. Jeder kann da im Kleinen anfangen, sagt er auf meine Nachfrage. Er gibt den Tipp, sich den Rollstuhl einfach wegzudenken und nur den Menschen darin zu sehen. Und den kann man so behandeln, wie man auch selbst gerne behandelt werden möchte…

Lieber Heiko,

von dir wurde mir erzählt als „ein Mensch, von denen es viel, viel mehr geben müsste“. Nun, das unterschreibe ich so. Ich habe absoluten Respekt vor deinem Beruf und deinem einzigartigen Projekt. Es ist gut so, dass du darin deine Berufung gefunden hast und diese mit deiner eigenen Leidenschaft, dem Reisen, verbindest. Umso mehr brennst du selbst dafür. Sich selbstlos für die Bedürfnisse anderer einzusetzen, ist leider nicht selbstverständlich. Viele erkennen sie nicht mal oder wollen da gar nicht hinsehen. Dabei weiß man doch selbst, wieviel Kraft man aus Reisen, aus unvergesslichen Erlebnissen und den dabei gespeicherten Glücksgefühlen, aus der Zuwendung anderer und aus Momenten der Unbeschwertheit herausschöpfen kann. Von dieser Kraft kann man sehr viel später noch im Positiven zehren. Dass du so etwas Bedürftigen ermöglichst – dafür sind dir sicher nicht nur von mir alle Komplimente sicher. Und selbstverständlich wünsche ich dir all die Anerkennung und die Kraft, die du brauchst, um das weiterhin richtig groß und erfolgreich werden zu lassen. Nicht nur, aber natürlich auch in Form von öffentlicher Aufmerksamkeit und Spenden.

Ach ja, dem FC St. Pauli und seinen Fans muss ich an dieser Stelle auch noch mein Kompliment aussprechen: Ihr habt irgendwas so verdammt richtig gemacht, dass der Süden jetzt einen Engel weniger hat und dieser dafür bei euch im Norden unglaubliche Dienste leistet 🙂

Falls auch du, lieber Leser, Heiko und seinem Projekt ein „Kompliment“ machen möchtest, und ihn mit einer Fördermitgliedschaft oder einer Spende unterstützen möchtest, dann geht das ganz einfach hier:

https://rollstuhlerlebnisreisen.de/foerdermitglied-werden-formular/

https://www.betterplace.org/de/organisations/34932-rollstuhl-erlebnisreisen-giambo-gug

Und ja, für die Gesellschaft wünsche ich mir wirklich mehr so Menschen wie dich, Heiko! 🙂

Bildrechte:

Rollstuhl-Erlebnis-Reisen GIAMBO gUG (haftungsbeschränkt)

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