Komplimente für den Fußball.

Der Fußball hat in Deutschland einen sehr hohen Beliebtheitsgrad. Er zieht die Massen– sei es als Sportart ausgeübt auf dem Platz, als treuer Fan eines Bundesligavereins mit Dauerkarte, in dessen Terminkalender jedes Heimspiel für den Stadionbesuch fixiert und unantastbar ist, oder als gute Gelegenheit, sich in geselliger Runde ein Spiel gemeinsam zuhause oder in der Kneipe anzuschauen. In Kürze steht nun wieder ein Großereignis bevor, welches Groß und Klein vor den Bildschirm lockt: Die Fußball-Weltmeisterschaft, erstmals im Winter ausgetragen, in Katar. Anlass genug, den Fußball als Lieblingsbeschäftigung, in vielerlei Hinsicht, mal genauer unter die Lupe zu nehmen 🙂

Außerdem ist es Freitag und mir steht wie fast immer ein fußballereignisreiches Wochenende bevor, an dem die ganze Familie, wie üblich, die meiste Zeit irgendwo am oder auf dem Platz steht. Ich mag selbst Fußball gerne. Der Expertenstatus wird mir innerhalb meiner Familie aber aberkannt 😉 Für diesen Beitrag muss ich trotzdem nicht mal vor die Tür gehen, denn die Experten hierfür habe ich ja im Haus… Heute also mal ein Artikel, bei dem Mann und Kind mitwirken 🙂

Darf ich vorstellen.

Tobias begann mit 5 Jahren Fußball im Verein zu spielen. Er war im Kindes- und Jugendalter sehr erfolgreich, erhielt dort diverse Titel, wurde in höherklassige Auswahlmannschaften berufen und spielte in der U19-Bundesliga. Auch im Herrenbereich kickte er zunächst höherklassig, bevor er sich beruflich veränderte und eine Laufbahn als Spielertrainer einschlug. Heute hat er das Rentenalter als Spieler fast erreicht und fokussiert sich mehr auf die Trainertätigkeit. Wobei, ganz lassen kann er es trotzdem nicht 😉 Ist mal Not am Mann – und der Kader könnte noch so groß sein, irgendwann ist es das immer – schnürt er die Fußballschuhe schon auch noch selbst.

Mein großer Sohn ist 8 Jahre alt und spielt im Nachwuchsbereich der DJK Don Bosco Bamberg. Während der Papa als Stürmer den Ball hinter die Linie brachte, weiß der Sohnemann dies gut zu verhindern – dank Manuel Neuer wollte der Spross unbedingt ins Tor und ist da bisher auch nicht mehr rauszubringen.

Oh wie ist das schön – warum eigentlich?

Als erstes frage ich die beiden, was den Fußball für sie eigentlich so besonders macht. Der Junior ist da gleich fertig: „Na das ist doch ein super Hobby! Ich lerne da viele Freunde kennen und man kann sich so richtig gut auspowern.“ Den Papa begeistert der Mannschaftssport. Man erreicht etwas als Team aber kann trotzdem auch als Einzelner herausragen. Dass es ausgerechnet der Fußball geworden ist, lag simpel daran, dass bereits der Vater leidenschaftlicher Fußballer war und auch der große Bruder schon im Jugendbereich auf sich aufmerksam machte. Dem galt es nachzueifern.

Oh wie ist das doch nicht schön – die Schattenseiten.

Der Fußball scheidet dennoch die Geister. Denn er hat leider sehr viele Schattenseiten. Es ist auch eine Welt voller Korruption, unmoralischer Angebote und Geschäfte. Geld gewinnt. Geld gewinnt Spiele, Spieler, Austragungsorte, Sportwetten, Schiedsrichter uvm.

Schiebung. Abartige Spielergehälter und Ablösesummen. Spielentscheidende Fehlentscheidungen – trotz modernster Technik. Wie viele Bezahlsender-Abonnements braucht man eigentlich mittlerweile, um die gängigsten Spiele anschauen zu können? Überall Kommerz. Von der Bundesliga bis zur A-Klasse birgt jedes Spiel ein sehr hohes Gewaltpotenzial – verbale Attacken, mutwillige Fouls, Drohungen oder Schlägereien sind der Alltag. Spieler, Schiedsrichter und Fans – alle inbegriffen.

Stimmt, sagt Tobias. Leider. Aber er wirft ein, dass auch andere Sportarten und ihre Institutionen ähnliche oder andere Probleme haben. Man denke nur mal an Olympia oder die von Dopingskandalen immer wieder heimgesuchten Leichtathleten, Radsportler oder Wintersportler. Da bekommt man es nur phasenweise mit, während der Fußball als Volkssport Nummer Eins größer und einfach dauernd im Fokus ist. Auch wahr.

Nun gut. Fußballfans haben eh häufig rosarote (Vereins-)Brillen auf. Die möchte ich hier ja auch gar nicht herunterreißen und mich auch lieber wieder dem Schönen widmen 😉 Zurück zu den Komplimenten 🙂

Ein Hoch auf eure Position.

Ja, erzählt mal ihr Zwei. Welche Position spielt ihr und warum habt ihr die auserkoren? „Na ich bin Torwart weil ich da meine Paraden zeigen kann! Und man muss sich nicht so anstrengen.“, antwortet mein Sohn. Ich ergänze jetzt mal, dass er sich mit 5 Jahren, wie so viele, den sympathischen Herrn Neuer als Vorbild ausgesucht hat und im Fernsehen alle seine Bewegungsabläufe und Paraden studierte. Und dann musste jeder der gerade zur Verfügung stand, diese mit ihm üben.

Der Papa ist Stürmer. Wie eigentlich alle Kinder wollte er nur Tore schießen. Man bemerkt ja auch als Kind ziemlich schnell, dass die Torschützen der Bundesliga die meiste Aufmerksamkeit erhalten. Deshalb will man auch so einer sein. Und da er tatsächlich ganz gut Tore schießen konnte, ist er dann auch dabei geblieben. Bis heute schwärmt er von diesem einzigartigen Gefühl, welches sich einstellt, wenn man den Ball hinter die Linie gebracht hat.

Komplimente, die ihr bekommt.

Der Kleine bekommt viel Applaus für seine Paraden, darüber freut er sich jedes Mal. „Die sagen dann immer: Wie hat er den denn noch raus? Und das ist toll.“, grinst er. Besonders freut er sich über Lob der Gegner. Bei seinem zweiten Spiel in der G-Jugend haben die gegnerischen Trainer und Eltern gefragt, wo man ihn den kaufen könne. Oder wenn sie ihm sagen: „Du hast leider gut gehalten!“

Der Große wurde für sein Spielverständnis, für seine Treffer und sein Talent gelobt. Er freut sich auch heute noch darüber, wenn man ihm anerkennt, dass er – obwohl er seit einigen Jahren nicht mehr trainiert – noch immer seine Leistung abrufen kann, wenn er manchmal aushelfen muss.

Das größte Kompliment, das ihr erhalten habt.

Unser Sohn ist besonders stolz darauf, dass er von Jugendlichen mit denen er zusammen gebolzt hat, „Manuel Neuer 2.0“ genannt wurde.

Tobias hat seines ungefähr im gleichen Alter wie unser Sohn jetzt erhalten, auch wenn er es seinerzeit noch nicht so richtig verstanden hatte. Damals hatten ihn die Väter seiner Mannschaftskameraden immer „Gerd Müller“ genannt, weil er auch aus allen, wenn auch noch so unmöglichen Lagen, das Ding ins Netz bugsierte.

Komplimente, die ihr verteilt.

Unser Miniatur-Torwart hat aus seiner Position heraus während des Spiels natürlich einen guten Überblick und immer mal wieder Zeit, genau zu beobachten, was seine Vorderleute da so treiben. Und wer da was gut macht, der bekommt von ihm auch ein „Ganz stark!“ zugerufen.

Sein Papa, der Trainer, lobt überwiegend für gute Leistung während des Spiels oder im Training. Er hebt besonders hervor, wenn die Spieler in der Lage sind, die Vorgaben individuell umzusetzen und so gleichzeitig zum mannschaftlichen Erfolg führen. Außerdem hält er es für sehr wichtig, gerade auch die jungen Spieler, die frisch in den Herrenbereich kommen und dort wachsen und ihre Leistung verbessern und zeigen, immer wieder mit Anerkennung zu motivieren. Das geschieht auch mal herausstellend in einer Mannschaftssitzung oder bei der Spielanalyse.

Er würde aber sagen, dass allgemein der Umgangston im Fußball langsam positiver wird. Gerade im Profibereich gibt es zunehmend Sportpsychologen, die das steuern. Das bedeutet aber gleichzeitig auch, dass der Nachwuchs weniger kritikfähig ist. Natürlich ist es gut, dass man mittlerweile darauf bedacht ist, Bloßstellungen zu vermeiden. Irgendwie brauche man aber heutzutage selbst als Trainer in den Amateurklassen fast eine psychologische Zusatzausbildung.

Komplimente – her damit.

Wo würdet ihr euch denn mehr Komplimente wünschen?

Auch da hat als erstes unser Sohn seine Antwort parat. „Ich will mehr Lob für meine Ausschüsse!“ In seinem Verein gehört es zur Spielphilosophie, dass der Torwart am Spielaufbau beteiligt ist, indem er eben keine Ausschüsse macht, sondern den Ball einem Spieler vor ihm zupasst. Da seine Ausschüsse aber oft präzise kommen und schon häufig Torvorlage waren, würde er das gerne immer machen dürfen. 

Tobias würde sich allgemein mehr Anerkennung wünschen. Es wird selten gesehen, was für Zeit, Arbeit und Mühe eigentlich dahinter steckt. Nicht nur um ein gutes Training vorzubereiten. Spielanalyse betreiben, Spielberichte lesen, die Partien der nächsten Gegner beobachten, Gespräche führen, Spieltagsvorbereitung uvm. – der Aufwand steht eigentlich in keinem Verhältnis. Es wird aber meist schlichtweg als selbstverständlich angesehen. Das gilt jedoch nicht nur für ihn sondern allgemein, für all die Funktionäre die dahinter stecken. Vereinsämter sind heutzutage eh schwer zu besetzen und diejenigen, die noch was machen, die werden selten wirklich geschätzt.

Es zeigt sich zusätzlich der allgemeine Wertewandel der Generationen. Tobias ist auch noch einer von der alten Schule:

Vor unserem ersten schulpflichtigen Kind ging Urlaub nur in der Zeit zwischen Saisonende (ggf. Relegation) und Vorbereitungsstart. Er wiederum hat auch schon mal eine Absage eines Spielers für den kommenden Spieltag erhalten, mit der Begründung, dass derjenige mit der Freundin ins Tierheim muss, um ein Haustier auszusuchen.

Während bei ihm das Fußballportal anpfiff.info die Morgen-, Abend-, Klo- und Pausenlektüre ist, waren manche seiner Spieler nicht mal gewillt, etwas von der Taktiktafel herauszulesen.

War man früher auch schon mal stolz, als junger Spieler bei der A-Mannschaft nur auf der Bank zu sitzen, kommt heute manchmal zunächst der Vater dazu an und will eine Auflaufgarantie oder eine Bankprämie aushandeln.

Ich als Gegenpart, der die ganze Zeit, die für den Fußball auf der Strecke bleibt, in der Familie auffangen muss, würde sagen: Vielleicht wäre einfach ein gesundes Mittelmaß erstrebenswert. 🙂

So, lieber Fußball, ich möchte dich heute als etwas Schönes und Bereicherndes würdigen 🙂 Gerade eben auch deshalb, weil du die Massen lockst. Außer einem Ball und ein paar Spielern braucht es nicht viel, um dich auszuüben. Man kann dich zwar auch auf der Konsole spielen, dennoch wirst du überwiegend in natura, zusammen mit echten Menschen gespielt. Ja, juhu, echte Menschen, keine Social-Media-Freundschaften. Du förderst den Teamgeist und die Kameradschaft. Du schaffst es, unzählige Emotionen im Kollektiv hervorzulocken. Nicht immer nur gute, nein. Aber die Atmosphäre und Spannung beim Public Viewing oder gemeinsam mit Zehntausenden im Stadion, die sich dann bei einem Torjubel entlädt – das muss man einfach mal erlebt haben. Du förderst die Geselligkeit. Gemeinsam mit Freunden trifft man sich, um Spiele live, in der Kneipe oder zuhause vor dem Bildschirm zu schauen und mitzufiebern. Du kitzelst auch manchmal den sonst eher weniger vorhandenen Nationalstolz aus uns heraus.

Du bringst einfach die Menschen in Verbindung und auf vielfältige Weise zusammen. Und das ist gut so. Du schenkst ganz vielen deiner Fans immer wieder einzigartige und bezaubernde Momente. Das macht dich besonders und dafür sei dir ein Kompliment von mir sicher 🙂

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