Komplimente für Kinder-Weihnachtsbücher.

Ich LIEBE Weihnachtsbücher für Kinder. Gott sei Dank habe ich zwei Gründe  (oder ähm –Entschuldigungen), weshalb ich diese Bücher alle Jahre wieder aus den Regalen rausziehen und mich in den Geschichtchen verlieren darf. Natürlich einzig und alleine, um meine Kinder standesgemäß auf Weihnachten vorzubereiten…

Ja, okeee – ich freue mich mehr darüber als meine Kinder…

MEIN inneres Kind fängt dabei an zu frohlocken und zu jubilieren und sich fünfzehn Mal im Kreis zu drehen vor lauter Freude. Diese Bücher sind für mich Nostalgie pur. Und warum ist das so? Weil in ihnen die Welt, in dem Fall besser gesagt die Weihnachts-Welt, noch in Ordnung ist…

Schneeflöckchen, Weißröckchen.

Eh klar – da liegt jedes Jahr Schnee. Schnee, Schnee und nochmals Schnee soweit das Auge reicht. Und zwar egal ob in den Bergen, auf dem Land, in der Stadt oder an der Nordseeküste. Happy Winter Wonderland. Every year. Ich überlege gerade, ich bin jetzt Mitte 30, kann ich mich überhaupt mal an Schnee an Weihnachten erinnern? Ich glaube ein Mal, ja. Vielleicht habe ich auch ein zweites Mal vergessen, so eine gewisse Vergesslichkeit hat ja schon längst eingesetzt, aber an so wichtige Dinge erinnert man sich eigentlich, also oft kann es nicht gewesen sein.  Jedenfalls können die Kinder dort alleine am Heiligen Abend so oft Schlitten fahren gehen, wie unsere Kinder den ganzen Winter über. So wird sich da die Zeit vertrieben, bis endlich Bescherung ist. Ich kenne von mir damals oder meinem Kind heute (der Kleine ist noch zu klein) nur furchtbare Langeweile-Aufregung, die dann nervtötend für die Eltern ist oder vor dem Fernseher endet. Und bei mir mit schlechtem Gewissen…

Oh Tannenbaum.

Echte Tannenbäume mit echten Kerzen gibt es da. Die werden entweder vom Christkind oder von Engelchen gebracht oder von Vätern und Kindern im Wald geschlagen. Manchmal gibt es schon auch einen Baumverkauf. Aber alle sind sie definitiv nicht ursprünglich von Riesenplantagen, hochgespritzt und geradegezüchtet. Echte, duftende, klimaneutrale Bäume. Und eben echte Kerzen. Welch besondere Stimmung das macht. Stell ich mir aber auf unserem Weihnachtsbaum echte Kerzen vor, sehe ich mich alle paar Sekunden aufspringen um zu verhindern, dass ein Kind, ein Spielzeug oder ein Haustier den Baum zu Fall bringt und die Wohnung entzündet… Nach einer halben Stunde würde ich min. zwei Glühwein mehr benötigen, um meine Nerven zu beruhigen. Und da ich keinen Alkohol vertrage, würde ich dann am Ende noch selbst im Baum landen…

Über den Baumschmuck lässt sich streiten. Da will ich jetzt auch niemandem zu nahe treten. Aber auch hier würde ich dem traditionellen Schmuck aus den Büchern den Vorzug geben und nicht den bunten Lichterketten und den pink-türkisen Kugeln…

Wünschen kann man es sich ja mal.

Zuckersüß sind die Wunschzettel. Was wünschen sich da die Kinder? Apfel, Nuss und Mandelkern (isst heutzutage kaum mehr ein Kind gern), eine Eisenbahn, einen Ball, eine Puppe, ein Buch. Fertig. Ein Traum.

Spielzeugkataloge mit 63 Kreuzchen braucht da kein Mensch. Eine Playstation mit fünf Spielen, vier Trikotsätzen vom FC Bayern München, ein E-Bike, einen E-Roller, eine Nintendo Switch und eine Woche Urlaub im Freizeitpark sind die ersten sechs Punkte von gefühlt zwanzig. Was steht sonst noch so auf den Wunschzetteln? Smartphone, Smartwatch, Vollausstattung Paw Patrol, einen Schminkkoffer (mittlerweile schon mit vier Jahren), ganze Playmobil- und Legowelten und so weiter. Auf den Hinweis, dass das Christkind bei so viel Unverschämtheit vielleicht gar nichts bringt folgt: „Wieso denn? Wünschen kann man es sich doch mal. Das Christkind muss doch nix dafür bezahlen.“ Einleuchtende Logik…

Zeit hab ich zwar eigentlich keine aber wenn ich doch mal wieder Zeit in der Vorweihnachtszeit habe, dann schreibe ich auch wieder einen Wunschzettel. Warum eigentlich nicht als Erwachsener auch? Die Wünsche sind sicher andere. Aber hey, wünschen kann man sich es ja mal. Macht man übrigens auch zum Beispiel im Zuge der Rauhnächte. Da gibt es Wünschetage. Und da soll man wirklich gezielt seine Wünsche (zum Beispiel für das nächste Jahr) formulieren und darnieder schreiben. Aber bitte nicht wünschen wie ein Erwachsener („Schööön wäre es, aber es wird ja eh nix.“) sondern wünschen wie ein Kind: Die sind überzeugt davon, dass das Christkind ihnen das bringt und die sehen sich schon mit einem Leuchten in den Augen unterm Tannenbaum sitzen und mit ihrem Geschenk spielen und das mit voller Freude. So geht das 🙂

Macht euch jetzt bereit.

Jaha, in den Büchern ist das alles gar zu schön und besinnlich. Da hat niemand Stress. Bei uns fängt der Stress schon vor der Vorweihnachtszeit an. Alles muss noch erledigt und reingequetscht werden was man sonst so über’s Jahr weggeschoben hat. Vom Zahnarztbesuch bis zur soundsovielten Schulaufgabe. Jedes Wochenende ist vollgestopft. Weihnachtsfeier hier, Weihnachtsfeier da. Weihnachtsfeier von Kind 1, Weihnachtsfeier von Kind 2, Weihnachtsfeier Fußballverein, Weihnachtsfeier Arbeit, Weihnachtsfeier Abteilung Arbeit, Weihnachtsfeier Verein XY, Plätzchen backen für die Weihnachtsfeier im Kindergarten.

Wir quetschen noch ein paar Weihnachtsmarktbesuche mit rein. Gemütlich Durchschlendern ist da auch nicht. An den Trink- und Essbuden staut es sich. Geschrei am Kinderkarussell weil, egal wie teuer, es will noch zehn Mal gefahren werden und bloß nicht raus. Der Kinderpunsch ist verschüttet, der Glühwein mittlerweile kalt. Die Bratwurst ist auch runter geflogen. Der Senf ist auf dem Schal und den Handschuhen. Was genau gibt es mittlerweile an den restlichen Buden? Ich sehe nämlich nix.

In den schönen Büchern ist da nie so viel los. Da kann man wunderbar durchlaufen und sich alles genau anschauen. Immer in Ruhe. Da kauft man seine Geschenke und den Weihnachtsschmuck auch noch auf dem Markt. Da gibt es als Highlight einen Stand mit heißen Maronen. Kein Kind, das nicht glücklich ist, wenn es die ausnahmsweise mal bekam. Ich weiß nicht einmal, wann ich das letzte Mal auf einem Weihnachtsmarkt einen Maronenstand gesehen habe und die Gesichter meiner Kinder kann ich mir bildlich vorstellen, wenn ich ihnen SOWAS andrehen wollen würde…

Naja. Immerhin: Der Duft auf einem Weihnachtsmarkt – wenigstens der weckt Nostalgie 🙂

Einmal werden wir noch wach.

Also die Eltern in diesen Büchern, die haben auch nie Stress. Klar, die müssen ja keine Geschenke kaufen und einpacken und verstecken und unbemerkt platzieren. Die müssen auch nicht so oft Plätzchen backen, machen ja die Engel in der Himmelsbäckerei. Die müssen sich nicht am 23. die halbe Nacht um die Ohren schlagen, bis die Vorbereitungen so getroffen sind, dass das Christkind kommen kann. Manchmal brauchen sie ja nicht mal einen Baum, bringt ja auch der Weihnachtsmann mit. Die müssen nicht aufkochen, als gäbe es kein Morgen mehr. Die können genüsslich noch ein paar Plätzchen am 24. backen und die dann bei einem gemeinsamen Kakao völlig in Ruhe mit der ganzen Familie besinnlich vernaschen. Die lächeln immer und sind nie genervt.

Christkind oder Weihnachtsmann – wer bringt jetzt die Geschenke?

Also das ist da die Frage aller Fragen. Jedenfalls nicht der hauseigene, unterbezahlte Lieferservice des Versandriesen mit dem schönen A. Auch nicht der Postbote, der mittlerweile vor lauter Pakete schleppen und Unterbesetzung aus den letzten Löchern pfeift. Von wegen. Diese Geschenke, die werden noch zu echt arbeitnehmer- und umweltfreundlichen Bedingungen produziert. Die fleißigen Engelchen und Wichtelchen haben 24 Tage im Jahr Stress und das restliche Jahr Ruhe. Oder müssen im Sternenhimmel höchstens abends ein paar Sterne aufhängen. Hierzulande hat man 24 Tage im Jahr Urlaub und das restliche Jahr Stress. Und damit geht es uns ja noch gut. Dort, wo allgemein unser Spielzeug herkommt, sind die Bedingungen ja noch schlechter.

Eine schöne Bescherung.

Ist er dann endlich da, der hl. Abend, geht man in meinen schönen Büchern ganz brav in die Kindermette. Kein Kind was da mal weint oder laut ist. Es klingelt ein Glöckchen vom Christkind und endlich ist die Wohnzimmertür wieder offen (wie viele Wohnzimmer gibt es noch, die man getrennt abschließen kann und den ganzen Tag keiner rein muss?) – und da steht er. Der Weihnachtsbaum mit den Geschenken darunter. Es stürmt aber kein Kind hin und reißt alles in Windeseile auf. Erst mal wird andächtig gesungen. Irgendwer kann da auch immer ein Instrument spielen und begleiten. Dann erst werden die Geschenke ausgepackt und der Ball, die Puppe und die Eisenbahn den ganzen Abend und die nächsten drei Wochen durchgängig, leise und freudestrahlend bespielt.

Äh ja. In Wirklichkeit wohl doch eher so: Kindermette: wenn es sein muss. Singen? Von wegen. Die 23 Päckchen sind in vier Sekunden aufgerissen und der Inhalt nach kurzem Blick zur Seite geschmissen. Dann können wir ja jetzt den Fernseher anmachen.

Mit manch einem Spielzeug wird bis zum Mittag des 1. Weihnachtsfeiertages gespielt. Aber dann ist es auch schon wieder uninteressant. Prima. Hat ja alles nichts gekostet.

Liebe Kinderbuch-Autoren,

ein herzliches Dankeschön für eure Bücher! Danke, dass da Weihnachten noch so ist, wie es sein soll.

Liebe Illustratoren – dankeschön für eure herrlichen Zeichnungen!

Bitte bitte bitte – gestaltet diese Bücher auch in Zukunft so, wie ihr es in der Vergangenheit getan habt. Bescheiden, besinnlich, märchenhaft. Bitte keine Bücher mit Handy, Tablet und Co unter dem Weihnachtsbaum oder mit sommerhaften Wetter. Bitte traditionell und bewährt gut.

Das größte Kompliment, was ich diesen Büchern und den Gestaltern machen kann, ist das folgende:

Für mich macht ihr mir mein Weihnachten. Dankeschön! Von ganzem Herzen.

Und auch von ganzem Herzen: Frohe und besinnliche Weihnachten für euch alle 🙂 Trotz allem 😉

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