Komplimente für eine starke Hand.

Spot on: Ein erfahrener Bergsteiger bricht an einem schönen Sonntagvormittag zu einer Bergtour auf, um dem Stress der Woche zu entfliehen und zur Ruhe zu kommen. Gedankenverloren tritt er auf einem schmalen Pfad ausgerechnet auf einen lockeren Stein und verliert das Gleichgewicht. Er stürzt hinab und kann sich gerade noch so mit einer Hand an einem Felsvorsprung festhalten. Zufälligerweise werden seine Schreie von einem Touristen ganz in der Nähe gehört. Dieser eilt dem Verunglückten zu Hilfe und ergreift todesmutig dessen Hand. Dem Abgestürzten steht die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben, die Todesangst macht ihn nicht leichter. Es ist ein Kräftespiel, welches auch für den Helfenden zur Lebensgefahr werden kann. Aber irgendwie gelingt es dann doch, den Bergsteiger hochzuziehen und zu retten. So oder so ähnlich ist unsere filmreife Vorstellung davon, wie eine rettende Hand auszusehen hat.

In Wirklichkeit ist es aber so, dass wir eigentlich ständig eine starke Hand ergreifen oder anbieten…

Küss mich, halt mich, lieb mich – die I.

Wie fast alles beginnt auch das schon mit der Geburt. Das Kind wird von den starken Händen der Hebamme oder des Arztes aufgefangen oder herausgenommen, um anschließend in die starken Hände der Eltern gelegt zu werden. Da bleibt es dann auch erst mal. Lange. Länger. Am längsten. Zunächst tragen uns diese Hände durch die Welt. Dann geben sie uns Halt und Sicherheit, bis wir alleine richtig laufen können. Tatsächlich und auch sinnbildlich. Denn bis wir wirklich flügge sind und „auf eigenen Beinen stehen“ können, braucht es diese Hände ganz oft und auf vielfältige Weise. Manchmal halten wir sie stärker, manchmal lockerer. Manchmal wollen wir auch schon loslassen obwohl noch Gefahr lauert oder der Weg ins Dunkel führt.

Beim Erwachsenwerden sind viele starke Hände erforderlich. Es sind hier die üblichen Weggefährten, die uns dabei helfen, in der Welt zurechtzukommen und deren starke Hand sehr prägend für uns ist oder sein kann. Da sind die Erzieher und Lehrer. Es sind unsere Trainer und Ausbilder. Unsere Freunde und Verwandten. Ist es Glück, Zufall oder Schicksal an wen wir hier geraten? An einen Lehrer, der uns auf die richtige Weise fördert? An einen Trainer, der unser Potenzial sieht und uns groß rausbringt? An einen Berufsberater, der erkennt was unsere Berufung ist und uns auf den richtigen Weg dorthin bringt? Oder halt eben nicht.

Probleme, die das mit sich bringt – die I.

Vielleicht gibt es gar keine oder nur eine elterliche Hand, die uns gereicht wird oder überhaupt gereicht werden kann. Oder eine elterliche Hand ist selbst zu schwach und nicht in der Lage, uns den Halt zu geben, den wir brauchen. Oder sie lässt irgendwann, viel zu bald, warum auch immer, los. Womöglich zerrt sie uns auch in die falsche Richtung, unbeirrbar auf den für uns falschen Weg.

Das prägt uns alles. Manchmal so arg, dass man auch als Erwachsener damit noch sehr zu kämpfen hat. Da werden dann andere starke Hände nötig, um uns wieder einen sicheren Tritt zu ermöglichen.

Und auch bei den anderen Weggefährten kann immer mal „ein Griff ins Klo“ dabei sein. Manch einer reicht uns gar seine Hand mit falschen Absichten. Das gehört schlichtweg zum Spiel des Lebens dazu. Man zieht immer mal wieder die falsche Karte, muss zurück auf Start oder ein Mitspieler „schmeißt“ uns. Im besten Fall kann man später mal rückblickend sagen, dass es für irgendwas gut war. Wenn auch wirklich nur für irgendwas.

Küss mich, halt mich, lieb mich – die II.

Irgendwann kommt sie dann vielleicht, die Person, mit der wir Hand in Hand durch’s restliche Leben gehen wollen. Hand in Hand den Lebensweg durch alle Wetterlagen hindurch entlangschlendern.

Dieses Sinnbild hat enorm starkes und schönes Potenzial. Man kann sich gegenseitig Halt geben, wenn der Familienalltag mit voller Windstärke entgegenbläst. Man kann sich ein wenig all die schönen Dinge am Rande des Weges anschauen, mit der Sicherheit, dass man trotzdem nicht vom Weg abkommt oder stürzt, während man nicht auf den eigentlichen Weg schaut. Wird mal einer etwas müde, führt ihn der andere noch mit. Hat mal einer gar keine Kraft mehr, trägt ihn der andere sogar ein Stück. Weiß der eine nicht mehr weiter, kennt der andere noch die Richtung.

Wie man es gerade braucht, wird der Griff der Hand stärker oder schwächer. Der andere erkennt das, es gleicht sich aus und man weiß, man wird nie losgelassen.

Probleme, die das mit sich bringt – die II.

Der „Lebenspartner“ an sich ist eher ein Auslaufmodell. Zutreffender ist oft der „Lebensabschnittsgefährte“. Gründe dafür? Tausende.

Man kann sich auf kein gemeinsames Schritttempo einigen. Das überfordert den einen und unterfordert den anderen. Manch einer lässt sich gerne ständig tragen. Weil’s so schön ist. Das erschöpft aber irgendwann den anderen. Es werden nur die Wege begangen, die immer derselbe auswählt. Der Griff des einen quetscht dem anderen fast die Hand ab. Auf einmal ist da noch eine dritte Hand, die eigentlich nicht dazu gehört. Plötzlich lässt einer los, weil er nun lieber alleine geht und der andere fällt überrascht zu Boden.

Mut zur Hand.

Ja, es erfordert manchmal Mut.

Mut, eine angebotene Hand zu ergreifen. Womöglich schämt sich einer, dass er in die Situation geraten ist, in der er Hilfe braucht. Das möchte man sich nicht eingestehen. Oder man ist es seit jeher gewöhnt, alles alleine schaffen zu wollen. Sonst ist man ein Versager. Vielleicht ist da auch ein im Laufe der Zeit erworbenes Misstrauen. Weil man von Menschen, denen man die Hand gereicht hat, zu oft enttäuscht wurde.

Genauso aber auch Mut, jemandem seine Hand als Stütze zu reichen. Man weiß nicht immer, ob die eigene Hand wirklich stark genug sein wird, den anderen wieder hochzuziehen. Am Ende stürzt man mit ab. Oder der andere lässt nicht mehr los und man ist in seinem „Käfig“ mitgefangen. Es zieht einen mit rein.

Komplimente für die Hände.

Umso wichtiger ist es, all diese starken Hände, die uns wohlwollend halfen und helfen, wertzuschätzen. Es ist nicht selbstverständlich, auch wenn es das eigentlich sein sollte.

Es tut allen gut, diese Hände zu pflegen. In Form einer regelmäßigen Komplimentedusche zum Beispiel :-). Mit ein paar Streicheleinheiten oder einer verwöhnenden Creme. Du darfst dir gerne selbst überlegen, wofür dieses Sinnbild alles stehen könnte 🙂

Es tut allen gut auszusprechen, dass man dafür dankbar ist. Was uns daran so geholfen hat. Dass es richtig war, Vertrauen zu schenken und einfach mal die Hand ergriffen zu haben. Aufmunterungen, die uns dazu animieren, trotz vieler Stürze weiter zu machen. Zu äußern, dass wir diese Hand auch wirklich sehen und sie schätzen. Dass wir die Wärme, die sie uns gibt auch wirklich spüren. Man glaubt gar nicht, wieviel Kraft ein paar liebevolle, dankende Komplimente in diese Hände zurückfließen lassen kann.

Vom richtigen Moment.

Immer diese Sache mit dem richtigen Moment. Mal erwischt man ihn ganz genau, mal verpasst man ihn haarscharf, mal gibt es ihn sowieso nie. Den richtigen Moment zu erkennen, wann eine Hand gereicht, ergriffen oder wieder losgelassen werden muss, ist teilweise eine hohe Kunst. Auch zu wissen, wie stark man gerade zupacken muss, ist nicht einfach.

Und doch ist es wichtig. Lässt man zu früh los, stürzt man wieder. Lässt man gar nicht mehr los, geht das Vertrauen in sich, es selbst schaffen zu können, flöten. Oder man zwingt dem anderen seinen Willen auf, weil man ihn leiten möchte, wie man es gerne hätte. Obwohl es nicht das Richtige für den anderen ist. Man wird also übergriffig. Andersherum kann oder will man womöglich nicht sehen, dass die helfende Hand keine Kraft mehr hat und zieht sie mit zu Boden. Da wäre ein Händewechsel gut für alle. Man will sie nicht loslassen, weil man sie an sich binden möchte. Die Macht der Gewohnheit könnte auch noch ihre Hände mit im Spiel haben.

Zum Wohle für euch und die andere Hand gibt es nichts Besseres, als die Hand mit einem Lächeln wieder loszulassen, wenn ihr den richtigen Moment erkannt habt. Wer das vermag, hat auch ein Kompliment verdient 🙂

Jeder HANDelt nach seinen Kräften.

Starke Hände schreiben schöne Geschichten. Sie hinterlassen Spuren im Herzen der anderen.

Man denke zum Beispiel an die Geschichten, in denen Menschen schlimme Schicksalsschläge erleiden, die sie so schwächen, dass sie kaum mehr eine andere Hand überhaupt ergreifen können. Gerade da brauchen sie sie ja am nötigsten. Und irgendwann geben sie ihre Erfahrung weiter und engagieren sich ehrenamtlich, gründen Selbsthilfegruppen oder Stiftungen, sie rufen Hilfsprojekte ins Leben und reichen ihre erstarkte Hand denen, die sie jetzt gerade brauchen. Viele Prominente reichen ihre durch ihre Bekanntheit starke Hand an gemeinnützige Organisationen und ziehen diese mit groß. Da spendeten schon Millionäre ihr gesamtes Vermögen und arbeiteten fortan in einem Krankenhaus in einem Kriegsgebiet. Und doch sind es die vielen „kleinen“ Hände, die tagtäglich zur gegenseitigen Unterstützung gereicht werden können, die die Gemeinschaft stark machen könnten.

Komplimente stärken. Nicht nur Hände.

Lob baut auf. Nicht nur Hände.

Dank wärmt. Nicht nur Hände.

Alles davon ist kostenfrei und doch von unschätzbarem Wert. Da muss und sollte man doch niemals daran sparen 😉

Ach ja. Bitte bloß nicht auf optische Täuschungen hereinfallen. Die größte Hand ist nicht immer die stärkste. Manchmal ist es die knochige, zittrige Hand eines 90-Jährigen, die einem das Rückgrat wieder aufrichtet. Und manchmal holt uns die winzige Hand eines Neugeborenen aus dem tiefsten Sumpf…

🙂

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